Deutsche kümmern sich immer weniger um private Altersvorsorge - Finanzen + Geld - deutsche handwerks zeitung

Finanzen + Geld - 05.10.2012

Studie des Institut für Demoskopie Allensbach

Deutsche kümmern sich immer weniger um private Altersvorsorge

42 Prozent der Berufstätigen in Deutschland wollen ihre private Altersvorsorge nicht mehr erweitern. Dieser alarmierende Negativ-Rekord geht aus der neuen Studie "Altersvorsorge in Deutschland" hervor, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Postbank erhoben hat. Die Riester-Rene wird zudem immer unbeliebter.

Andrea Arnold - Fotolia
Im Alter können vor allem für die Gesundheit höhere Kosten entstehen

Die monatlichen Ausgaben der Berufstätigen, die vorsorgen, sind rückläufig: Investierten sie für ihre private Altersvorsorge seit der erstmaligen Messung 2005 noch im Schnitt 204 Euro im Monat, sind es jetzt nur noch 185 Euro - ein Minus von fast zehn Prozent.

Besorgniserregend ist die Entwicklung bei jungen Berufstätigen im Alter von 16 bis 29 Jahren. Von ihnen hält inzwischen mehr als jeder Vierte seine heutige Altersvorsorge bereits für ausreichend. Noch vor fünf Jahren glaubte dies nur jeder Sechste, eine Zunahme also um fast 60 Prozent.

Bereitschaft zur privaten Altersvorsorge sinkt kontinuierlich

"Alarmierend ist, dass die Bereitschaft zur privaten Altersvorsorge immer weiter sinkt“, erklärt Michael Meyer, Retailvorstand der Postbank. "Wir müssen davon ausgehen, dass es sich hier nicht um eine kurzfristige Erscheinung handelt, sondern um einen längerfristigen Trend."

Als Treiber der Entwicklung lassen sich zwei Faktoren ausmachen. Mehr als die Hälfte aller Berufstätigen in Deutschland (52 Prozent) sorgt sich wegen der Staatsschulden- und der Eurokrise verstärkt um ihre Altersversorgung. "Die Bereitschaft, neue und langfristige Vorsorgeverträge in dieser Situation abzuschließen, ist entsprechend gering", erklärt Meyer. Aber auch die starke Konjunktur mit einer historisch hohen Beschäftigungslage in Deutschland hat hier erheblichen Einfluss. So wiegt die gute Arbeitsmarktlage offenbar viele in Sicherheit. Meyer: "In unseren zehn Jahresstudien haben noch nie so viele Befragte angegeben, dass sie das, was sie bisher für ihre Altersvorsorge tun, als ausreichend ansehen. Allein von den Berufstätigen sagen dies aktuell 44 Prozent."

Überdies scheint sich auch die Einstellung der Menschen zu verändern: Nur noch 14 Prozent der Berufstätigen, die sich nicht ausreichend abgesichert fühlen, würden sich für eine sichere Altersvorsorge bei ihren heutigen Ausgaben einschränken. Vor zwei Jahren war dies mit 22 Prozent noch fast die Hälfte mehr.

Unterschätzte Preisentwicklung

Exakt jeder zweite Deutsche gibt in der aktuellen Postbank-Studie zu Protokoll: "Die Inflation spielt bei der Planung meiner Altersvorsorge keine Rolle." Sogar unter den jungen Berufstätigen unter 30 Jahren sind es 44 Prozent. Dazu Meyer: "Ein Euro, der Anfang 2002 im neuen Starter-Kit für die Deutschen lag, hat heute eine Kaufkraft von wenig mehr als 80 Cent. Den Preissteigerungseffekt bei einer so langfristigen Planung wie der Altersvorsorge zu vernachlässigen, ist daher ebenso fahrlässig wie gefährlich."

Immobilien als Altersvorsorge stehen in Deutschland hoch im Kurs. Fast jeder dritte Berufstätige, der seine Altersvorsorge noch erweitern will, plant laut Postbank-Studie den Bau oder Kauf eines Eigenheims. Das ist gut ein Viertel mehr als in der ersten Postbank-Studie im Jahre 2003. Zum Shooting-Star sind dabei Wohnungen oder Häuser zur Vermietung geworden: 14 Prozent der Berufstätigen wollen künftig in Mietimmobilien investieren, um ihre Altersvorsorge auszubauen. Damit hat sich das Interesse an dieser Form der Altersversorgung gegenüber 2011 glatt verdoppelt. Dabei werden vermietete Immobilien mit Abstand als rentierlichste Form aller Vorsorgeformen betrachtet.

Riester-Ansehen sinkt

Für mehr als jeden vierten Berufstätigen spielen nach eigenen Angaben bereits erhaltene oder anstehende Erbschaften "eine wichtige Rolle bei der Planung der eigenen privaten Altersvorsorge". Im Mai 2012 hatte die Postbank eine Studie zum Thema "Erben und Vererben" veröffentlicht. Demnach hat tatsächlich rund ein Drittel der Berufstätigen in Deutschland bereits einmal geerbt und ein weiteres Viertel kann dies künftig erwarten. Entsprechend ist die Bedeutung von Erbschaften als "ideale Form der Alterssicherung" unter den Deutschen seit der erstmaligen Messung durch die Postbank 2003 sichtbar gestiegen: von damals 19 Prozent auf inzwischen schon 25 Prozent.

Genau entgegengesetzt verläuft die Entwicklung bei der 2002 eingeführten privaten Riester-Rente. Inzwischen sehen hierin nur noch 24 Prozent der Deutschen eine "ideale Form der Alterssicherung". Vor fünf Jahren waren es noch etwa 31 Prozent - also gut ein Viertel mehr.

Pflichtmäßige betriebliche Altersversorgung

Deutlich votieren die Deutschen gegen eine gesetzliche Pflicht zur privaten Altersvorsorge, wie etwa in Form einer privaten Riester-Rente. 48 Prozent halten dies für keine gute Idee, nur halb so viele (24 Prozent) wären dafür (Rest unentschieden). Ganz anders ist aber die Einschätzung einer pflichtmäßigen betrieblichen Altersversorgung (bAV). Mit klarer Mehrheit von 56 Prozent sind die Deutschen dafür und nur 19 Prozent dagegen (Rest unentschieden). Meyer resümiert: "Unternehmen in Deutschland sind zwar verpflichtet, den Arbeitnehmern auf Verlangen eine betriebliche Altersversorgung anzubieten. Doch es geht um etwas anderes: Unternehmen müssten jedem Berufsanfänger an seinem ersten Arbeitstag einen Katalog an Vorsorgeformen vorlegen, aus dem er wählen kann - aber eben auch wählen muss!" Meyer weiter: "Ich bin überzeugt, dass in der bAV noch erhebliches Potenzial steckt, das wir nutzen können, um die Vorsorgesituation in Deutschland nachhaltig zu stärken." Postbank

 
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