Die Kürzung der Solarförderung fällt milde aus. Die Zugeständnisse der Bundesregierung haben weitreichende Folgen: Branchenexperten rechnen nun mit einem weiteren Solarboom. Betriebe müssen im kommenden Jahr mit höheren Energiekosten rechnen. - Von Rudolf Baier und Burkhard Riering
In einem Kompromiss im Vermittlungsausschuss hatten sich Bund und Länder Ende Juni darauf geeinigt, die Solarförderung weit weniger drastisch zu kürzen als ursprünglich vom Bundeskabinett geplant. Nach jüngsten Schätzungen wird die EEG-Umlage im kommenden Jahr von derzeit 3,6 Cent auf bis zu 5,3 Cent pro Kilowattstunde ansteigen. Bereits für 2012 wird ein massiven Zubau an Solaranlagen erwartet.
Das ist eine gute Nachricht für das Solar-Fachhandwerk und bedeutet volle Auftragsbücher für die nächste Zeit. Aber viele andere Handwerksbetriebe werden die Preissteigerungen auch hart treffen. Beim Fleischerverband Bayern wird derzeit ausgerechnet, was die Betriebe künftig zu zahlen haben. Das vorläufige Ergebnis der Umfrage: Produzierende Firmen werden im Durchschnitt bis zu 8.574 Euro allein für die EEG-Umlage pro Jahr in Rechnung gestellt bekommen. Kleine Produktionen und Filialen müssen im Schnitt 2.351 Euro draufzahlen. "Diese Zahlen verdeutlichen, dass uns die EEG-Umlage massiv belastet. Wir als standortbezogenes Handwerk müssen die erhöhten Strompreise zahlen und können sie nicht auf unsere Verkaufspreise umlegen, wenn wir konkurrenzfähig bleiben wollen", sagte Landesinnungsmeister Georg Schlagbauer der Deutschen Handwerks Zeitung.
Laut einer Studie des Verbands der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft müssen Betriebe bereits 2012 im Rahmen der Energiewende mit einer Preissteigerung von rund neun Prozent rechnen.
Neben der Solarförderung zählen auch die Förderung der Offshore-Windkraft und höhere Netzentgelte zu den Preistreibern. Auch der Staat verdient über die Stromsteuer mit. Dena-Chef Kohler fordert im DHZ-Interview, die Stromsteuer abzuschaffen.
Die neuen Fördersätze, auf die sich Bund und Länder jetzt geeinigt haben, gelten rückwirkend vom 1. April an. Die Regelungen im Einzelnen:
Dachanlagen in einer Größe zwischen zehn und 40 Kilowatt werden künftig mit 18,50 Cent pro Kilowattstunde gefördert. Geplant war ursprünglich eine Reduzierung auf 16,50 Cent. Bislang wurden 24,43 Cent gezahlt. Anlagen in dieser Größenordnung befinden sich etwa auf Lagerhallen oder Bauernhöfen.
Bei kleineren Anlagen, wie sie auf Dächern von Einfamilienhäusern montiert werden, bleibt es bei der Kürzung auf 19,50 Cent pro Kilowattstunde. Bislang waren es 24,43 Cent. Große Solarparks müssen wie geplant eine Kürzung von 20 bis 30 Prozent hinnehmen.
Ganz gestrichen wird die Förderung, wenn in Deutschland 52.000 Megawatt an Leistung installiert sind. Das ist noch einmal doppelt so viel, wie bisher installiert ist. Ob es danach Folgeprogramme gibt, ist noch nicht klar.
2007 schätzte die Bundesregierung, dass die Anlagenkapazität von 25.000 Megawatt im Jahr 2050 erreicht würde. Das war aber schon dieses Jahr der Fall - 38 Jahre früher als gedacht.
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