Der Markt lässt sich nicht täuschen - Meinung - deutsche handwerks zeitung

Meinung - Ausgabe 8/2010

Der Markt lässt sich nicht täuschen

Zur Imagekampagne


Inwieweit handelt es sich bei der Imagekampagne um einen Wunschgedanken bzw. eine ideelle Vorstellung, die weit weg von der Realität ist? Obwohl der Handwerker wirklich die Wirtschaftsmacht von nebenan ist, versteht er es nicht, diese Macht konsequent umzusetzen. Er ist eher Einzelkämpfer, verliert sich im Tagesgeschäft und hat zu wenige Fürsprecher für seine Belange!

Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang, auch als Beispiel, die Personengruppe der Banken und deren Manager aufführen. Wie sieht es mit deren Image aus? Was haben die Banken unter deren Leitung praktiziert? War da nun eine Imagekampagne erforderlich? Wie sind die Banken aus dieser Krise hervorgegangen? Welche Macht haben die Banken heute, trotz ihrer desaströsen Handlungsweise, wieder in unserer Wirtschaft? Trotz schlechtem Image wieder oder immer noch gut im Geschäft! Die Banken sind sich ihrer Macht bewusst, stehen bei ihren eigenen Interessen in einem engen Verbund miteinander und haben auch deshalb eine starke Lobby!

Wie sieht es denn mit unserer Bevölkerung aus, wenn die Handwerker wirklich ihre Interessen gemeinsam vertreten und kein Wasser mehr fließt, der Abfluss verstopft bleibt, der Strom ausgefallen ist, die Heizung nicht mehr läuft, kein Boden verlegt wird usw.? Dabei ist der Handwerker Umsatzmotor in der regionalen Wirtschaft und schafft dadurch auch stabile Verhältnisse im regionalen Umfeld. Kleinzellige Strukturen sind weniger anfällig gegen Krisen.

Richard von Weizsäcker hat einmal gesagt: „Glaubwürdigkeit entsteht dann, wenn man tut, was man sagt, oder wenn man sagt, was man tut!“ Unter diesem Zitat erscheint mir gerade der Slogan „Große Klappe, viel dahinter“ geradezu etwas makaber! Hinter mancher Klappe sollte man einmal etwas genauer nachschauen!

Wenn sich das Handwerk nicht besser nach innen organisiert, seine Kräfte und Interessen stärker bündelt (z.B. durch neue Medien), sehe ich die Wirtschaftsmacht von nebenan eher als eine aussterbende Spezies. Die Zeiten, in denen man Image durch Medienkampagnen einfach etablieren konnte, sind für mich einfach vorbei. Der Markt lässt sich nicht mehr so leicht täuschen. Es gilt eine Kultur und einen Zusammenhalt zu entwickeln, der aus dem Handwerk eine homogene wirtschaftliche Interessengruppe schafft. Die wahre Stärke kommt eben doch immer noch von innen.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen geradezu einen Paradigmenwechsel im Handwerk, was die Verantwortung, die Eigeninitiative und Wertschätzung für sich selbst anbelangt. Denn nur wer sich selbst mehr wert ist, kann mehr Selbstwert bei seinen Kunden erlangen.


Felix Deck,
Karlsruhe

 
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