Der erste Ansturm: Information, Vermittlung und Beratung für Tausende von Handwerkern aus der DDR - Oberfranken - deutsche handwerks zeitung

Oberfranken - 03.11.2009

Horst Eggers, Hauptgeschäftsführer, Handwerkskammer für Oberfranken

Der erste Ansturm: Information, Vermittlung und Beratung für Tausende von Handwerkern aus der DDR

Wir erinnern uns alle der Euphorie, die damals die Menschen in Ost und West ergriffen hat. In Oberfranken haben wir die Ereignisse besonders hautnah erlebt. Das lag an der Bundesautobahn Berlin – München. Erinnerungen von Hauptgeschäftsführer Horst Eggers

In Bayern war die Handwerkskammer für Oberfranken am stärksten betroffen. Oberfranken grenzt an Sachsen und Thüringen, die bevölkerungsreichsten und wirtschaftsstärksten Gebiete der früheren DDR. Auf sie entfielen 50 Prozent der Bevölkerung der damaligen DDR.

Am Grenzübergang Rudolphstadt wirkte die Grenzöffnung genauso, als ob man den Stöpsel aus einer Badewanne zieht und damit erreicht, dass das gesamte Wasser in eine Richtung abfließt. So kam es damals zu einem unglaublichen Ansturm der DDR-Bürger auf Oberfranken. Exemplarisch dafür möchte ich die damalige Situation der Handwerkskammer für Oberfranken herausstellen. Ähnlich war es bei der Handwerkskammer Coburg.

Wir waren vom ersten Tag in einer Weise gefordert, wie das heute kaum mehr vorstellbar ist. So standen Hunderte von Handwerkern aus der DDR in und vor unserer Kammer und wollten Rat und Hilfe.

Nachdem mit der Ausnahme von Berlin keine andere Kammer im Bundesgebiet von dieser Entwicklung so betroffen war, hat die HWK von Anfang an die Spitzenorganisation des Handwerks, den ZDH, laufend über die Entwicklung informiert und dort einen Arbeitskreis DDR- Handwerk initiiert.

Gemeinsam brachten die beiden oberfränkischen Handwerkskammern noch Ende 1989 eine Broschüre mit umfassenden Informationen über das Handwerk in der DDR heraus, die über den Zentralverband des Deutschen Handwerks im gesamten Bundesgebiet Verbreitung fand. Damals wurden Kontakte geknüpft, die sich bis heute bewährt haben und auch in Zukunft bewähren.

Bereits im Januar 1990 gab es in Halle, Gera und Chemnitz Handwerkerforen mit weit über 2000 Besuchern, die aufgrund des riesigen Andrangs am nächsten Tag wiederholt werden mussten, obwohl die größten Säle für die Veranstaltungen gewählt worden waren.
Ab März haben wir betriebswirtschaftliche Kompakt- Seminare für Handwerker aus der DDR durchgeführt. Tagtäglich haben wir in der DDR und in Oberfranken über soziale Marktwirtschaft, über Demokratie, über die deutsche Handwerksordnung, die Berufsausbildung, über das Sozial- und Arbeitsrecht, über Steuern, technologische Ent­wicklung usw. informiert.

 
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