Der Boden der Tatsachen - Wochenrückblick - deutsche handwerks zeitung

Wochenrückblick - 27.07.2012

Die Woche mit der DHZ

Der Boden der Tatsachen

Höher, schneller weiter – was für den Spitzensport gilt, muss nicht unbedingt gesund für alle anderen sein. In dieser Woche zeigte sich, dass es manchmal auch ganz gut ist, einfach mal auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben. - Von Jana Tashina Wörrle

Warum gleich in die Ferne schweifen, wenn das Gute und Einfache manchmal so nah liegt? Sollen doch die anderen ihre Rekorde aufstellen und immer neue Höhen erklimmen. Bei 30 Grad im Schatten profitieren doch sowieso nur die Solaranlagen davon, mal so richtig aufzudrehen. Für alle anderen ist es wohl gesünder, eine ruhige Kugel zu schieben. Mit kühlem Kopf und den Beinen auf dem Boden der Tatsachen erreicht man auch so schon eine ganze Menge.

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht

In dieser Woche zeigte sich das ganz deutlich bei den neuesten Wirtschaftszahlen. Die Konjunktur boomt nämlich nicht mehr ganz so stark, die Eurokrise hinterlässt nun doch ein paar Spuren. Doch das Handwerk bleibt gelassen, denn hier bei den kleinen Betrieben vor Ort laufen die Geschäfte noch gut. Fast schon heimlich, still und leise wirkt es, wie hier so mancher einfach weitermacht und nicht auf die großen Schlagzeilen setzt.

Manchmal ist kleckern vielleicht doch besser als klotzen. Das hat sich auch das Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) gedacht und die Gunst der Stunde (oder Ferienzeit) genutzt, um einen Vorschlag zu präsentieren, wie man auf einfache Weise mehr Gerechtigkeit ins deutsche Steuersystem bringen könnte. Die Wissenschaftler fordern neue Gehaltsstufen und wollen damit sowohl den Arbeitsmarkt revolutionieren und als den "kleinen Mann" entlasten. Wer viel hat, kann auch viel abgeben – eigentlich einleuchtend. Schade, dass diese Forderung schon oft da war und nie ernst genommen wurde.

Vielleicht sollte hier auch einfach mal das Bundesverfassungsgericht ran. In dieser Woche hat es nämlich endlich dafür gesorgt, das deutsche Wahlrecht zu "verentkomplizieren". Wer am meisten Zweitstimmen bekommt, hat künftig auch die meisten Sitze im Bundestag – ohne Überhangmandate oder sonst irgendetwas, das keiner mehr versteht. Wahlrecht mit Durchblick für jeden, zumindest vom Prinzip her.

Erfolg, ohne groß aufzumucken

Noch konkreter wurde der ewige Wettstreit im deutschen Wirtschaftswunderland von der folgenden Meldung ad absurdum geführt: "Beförderungen machen auf Dauer nicht glücklich" hieß es da in einer neuen Studie. Es bringt eben doch nichts, sich ewig abzurackern, nur um noch ein Stück weiter und weiter und weiter zu kommen. Man sollte lieber wieder ein bisschen auf das eigene Glück schauen. Vielleicht liegt das bei den einen im Chefsessel, aber bei anderen vielleicht auch ganz woanders. Verallgemeinerungen bringen auf jeden Fall nicht weiter. Okay, allgemeine Studien vielleicht auch nicht, aber an irgendwas muss man sich ja festhalten.

Wenn jetzt der eine oder andere denkt, dass er auch zu hoch nach den Sternen gegriffen hat, dann haben wir hier zumindest ein paar Tipps wie man von der privaten wieder zurück in die gesetzliche Krankenversicherung wechselt. Denn das ist nicht so einfach und war auch Thema in dieser Woche.

Heimlich, still und leise oder besser gesagt trotz aller Aufschreie und Zweifel haben es in dieser Woche noch andere geschafft, ohne groß aufzumucken voranzukommen: die erneuerbaren Energien. Die Politiker "äußern Bedenken", "sehen die Entwicklung kritisch" und "fordern Reformen", doch eigentlich wollen sie doch nur nochmals schnell in die Schlagzeilen, bevor sie sich in die Sommerpause verabschieden. Der Ökostrom macht sich dagegen selbst auf den Weg zu seinem Ziel: Irgendwann wird er die Macht übernehmen im Reich der deutschen Gesamtenergieversorgung. Bislang läuft das auf jeden Fall ganz gut.

Ein Lob auf Balkonien

Die Politik macht also Urlaub und Sie? Schon Koffer gepackt oder wird den Sommer lang durchgearbeitet? Vielleicht haben Sie ja Großaufträge zu erledigen und brauchen dazu noch ein paar Ferienjobber? Damit dabei nichts schiefgeht, haben wir ein paar Tipps. Aber falls Sie doch wegfahren wollen, können Sie auch das getrost tun. Heute sind schließlich schon die Häuser selbst so intelligent, dass sie den Haushalt und bei guter Programmierung vielleicht auch den ganzen Betrieb in der Ferienzeit alleine schmeißen.

Doch oft muss es ja bei den Deutschen im Urlaub gar nicht weiter weg gehen als bis zum heimischen Balkon oder dem grünen Umland der Heimatstadt. Und wenn doch, dann wäre Griechenland vielleicht ein Vorschlag. Urlaub dort soll jetzt nämlich richtig günstig werden. Auch wenn es die Deutschen eigentlich gar nicht kratzen muss, was da mit dem Euro passiert – denn es passiert ja angeblich nichts – könnte das wenigstens mal ein positiver Effekt sein. Na dann schöne Reise!

 
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