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Europäische RoHS-Richtlinie Bleiverbot in Elektrogeräten: Ausnahmen für Orgelbauer

Orgelpfeifen funktionieren über elektrische Gebläse – und sie enthalten Blei. EU-Vorschriften zufolge dürfen sie künftig eigentlich nicht mehr gebaut und auch nicht mehr restauriert werden. Das möchte die EU-Kommission nun jedoch mit einer Ausnahmeregelung verhindern und so einen kulturellen Verlust verhindern.

Wie in vielen anderen Bereichen auch sollen die Vorschriften EU-weit aufeinander abgestimmt werden, die für die Stoffe gelten, die in Elektro- und Elektronikgeräten verbaut werden dürfen. Konkret geht es um die Stoffe, die im Verdacht stehen, Gesundheitsgefahren auszulösen. Dazu gehört auch Blei, das standardmäßig bis heute in Orgeln – genauer gesagt in die Orgelpfeifen – eingebaut wird.

Das Schwermetall Blei kann zu schweren Vergiftungen führen, doch für den Orgelbau ist es unersetzlich. 99 Prozent aller Orgelpfeifen funktionieren mit mindestens einem elektrischen Gebläse und die Orgelpfeifen enthalten eine Bleilegierung, für die es bislang keine Alternative gibt. Doch es gibt auch keinerlei Hinweise darauf, dass die Herstellung oder Nutzung von Orgelpfeifen Gesundheits- oder Umweltprobleme auslösen.

Blei in Elektrogeräten künftig eigentlich verboten

Dennoch drohte bis vor kurzem eine erhebliche Gefahr für die deutschen Orgelbauer. So steht für die europäische RoHS-Richtlinie – eine der Richtlinien, die den Umgang mit Gefahrstoffen in Elektro- und Elektronikgeräten regelt – eine nächste Stufe der Umsetzung in nationales Recht an bzw. soll diese bis Juli 2019 abgeschlossen sein. Diese Richtlinie enthält jedoch ein grundsätzliches Verwendungsverbot von Stoffen wie Blei oder auch Quecksilber in Elektro- und Elektronikgeräten.

Hätte die EU-Kommission nun nicht erst kürzlich einen Überarbeitungsvorschlag veröffentlicht, stünde ab Juli 2019 ein Verbot für traditionelle Orgelpfeifen an bzw. den Umgang mit ihnen und ihre Vermarktung. Doch damit wären auch 90 Prozent aller Arbeitsplätze der Orgelbauer-Branche gefährdet gewesen. "Zu befürchten stand ein jährlicher Verlust von bis zu 65 Millionen Euro", teilt EU-Kommissarin Joanna Drake mit, mit der der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) über das aktuelle Geschehen bei der Umsetzung der RoHS-Richtlinie sprach. Sie erklärte, dass es durch den aktuellen Überarbeitungsvorschlag nun ziemlich sicher dazu kommen werde, dass für die Handwerksbranche der Orgelbauer eine Ausnahme von den Vorgaben gelten wird.

Orgeln: Geringe Austauschrate erleichtert Handwerksausnahme

Dazu gekommen sei es, da die EU-Kommission den kulturellen Verlust anerkannt habe, der droht, wenn die traditionellen Orgeln nicht mehr gebaut und repariert werden dürfen. "Die meisten Orgelpfeifen bleiben über Jahrhunderte am gleichen Ort, die Austauschrate ist vernachlässigbar", erklärt Drake.

Über diese Entscheidung zeigt sich auch der Bund Deutscher Orgelbaumeister (BDO) erleichtert. Neben wenigen anderen Produktgruppen seien Pfeifenorgeln nun definitiv und dauerhaft vom Geltungsbereich der EU-Direktive ausgeschlossen. "Damit besteht nun endlich Rechts- und Planungssicherheit in dieser jahrelang umstrittenen und für unsere Werkstätten entscheidenden Frage", meldet der Verband. So sei es gelungen, die Politik davon zu überzeugen, dass der materielle und vor allem der ideelle Schaden immens, der Nutzen dagegen marginal gewesen wäre, würden Orgeln nicht von dieser Richtlinie ausgenommen. jtw

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