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Ausbildung Bildungsbericht: Integration kostet Zeit und Geld

Die Ausbildung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund braucht Zeit und Geld. Das macht auch der Bildungsbericht 2016 deutlich.

Die Zuwanderung vieler junger Flüchtlinge stellt das Bildungssystem in Deutschland vor neue Herausforderungen. „Die Zuwanderung ist vor allem ein Bildungsproblem“, sagte Kai Maaz, der Sprecher der Autoren des Bildungsberichts 2016 bei dessen Vorstellung. Mehr als die Hälfte der Zuwanderer sei jünger als 25 Jahre. Blieben 80 Prozent der Zuwanderer im Land, seien Ausgaben von bis zu drei Milliarden Euro im Jahr für Kitas, Schulen und Berufsausbildung notwendig. Sollten 60 Prozent bleiben, müsste mit 2,2 Milliarden Euro gerechnet werden.

Auch Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) weiß, dass weitere Anstrengungen notwendig sind. Als Erfolg wertete sie, dass sich die Ausbildungssituation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Vergleich gegenüber denen ohne ausländische Wurzeln in den vergangenen Jahren zehn Jahren verbessert habe. Gleichwohl gibt es nach wie vor Unterschiede, wie der Bericht deutlich macht. „Ausländische Jugendliche verlassen mehr als doppelt so häufig ohne Hauptschulabschluss die Schule und erreichen dreimal seltener das Abitur“, heißt es.

Anhaltender Trend zu Abitur und Studium

Der Bericht zeigt zudem den anhaltenden Trend zu Abitur und Studium. „Die Deutschen streben nach höheren Abschlüssen“, sagte Wanka. 2015 haben rund eine halbe Millionen Menschen ein Studium begonnen (2005: rund 356.000). Die Studienanfängerquote habe nach vorläufigen Berechnungen auch 2015 bei 58 Prozent gelegen. Dagegen habe die Zahl derjenigen, die eine duale Ausbildung anfingen, weiter abgenommen. Als Grund nannten die Bildungsexperten vor allem das Auseinanderfallen von Angebot und Nachfrage in einzelnen Regionen und Berufsgruppen.

Mit Blick auf die Ergebnisse des Bildungsberichtes unterstrich ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer, dass das Handwerk allen Schulabsolventen, berufliche Perspektiven biete. „Das Einkommen eines Handwerksmeisters ist dem einen Hochschulabsolventen ebenbürtig, das Risiko der Arbeitslosigkeit fällt sogar niedriger aus“, betonte er. Nichts hält er von der von den Autoren vorgenommen Einteilung der Ausbildungsberufe in verschiedene Segmente, je nach notwendiger Vorbildung.

Flüchtlinge erhöhen die Zahl der Jugendliche in Überganssystemen

Laut Bericht haben 2015 rund eine halbe Millionen in- und ausländische Studenten angefangen zu studieren, während 481.000 Jugendliche eine duale Ausbildung begannen. Zehn Jahre zuvor waren es 517.000. Im gleichen Zeitraum konnte die Zahl der Jugendlichen in Übergangssystem von rund 417.600 auf 271.000 verringert werden. Allerdings ist ihre Zahl von 2014 auf 2015 nicht zuletzt wegen der Flüchtlinge wieder um rund 18.000 angewachsen.

Große regionale Unterschiede

Obwohl die Nachfrage nach dualen Ausbildungsplätzen seit 2007 laut Bildungsbericht stärker gefallen ist als das Angebot, konnten auch 2015 nicht alle Jugendliche einen Ausbildungsplatz finden und nicht alle Betriebe ihre Ausbildungsplätze besetzen. Während Jugendliche vor allem in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen Probleme hatten, einen Ausbildungsplatz zu finden, konnten Ausbildungsplätze in Bayern, Teilen von Baden-Württemberg sowie manchen ostdeutschen Bundesländern nur schwer besetzt werden. Es brauche „mehr Mobilität in der beruflichen Bildung“, sagte Wanka.

Passungsprobleme gab es auch bei bestimmten Berufsfeldern. Insbesondere bei Ernährungs- sowie Hotel- und Gaststättenberufen wurden deutlich weniger Ausbildungsplätze nachgefragt als angeboten. Dies gilt laut Bericht in verminderter Form auch für Installations-, Hoch- und Tiefbauberufe. Die Suche nach geeigneten Nachwuchskräften werde auch dadurch erschwert, dass die Gruppe der Hauptschüler, die für diese Ausbildungsberufe früher in Frage kamen, abnehme.

So ist der Anteil der Jugendlichen mit und ohne Hauptschulabschluss in den vergangenen zehn Jahren von 35 auf 27 Prozent gefallen. Der Anteil derer mit mittlerem Abschluss ist dagegen von 46 auf 56 Prozent und der mit Abitur von 30 auf 41 Prozent gestiegen. Das Handwerk kennt den Trend und macht sich auch deshalb für das Berufsabitur stark. Schüler sollen dabei parallel zum Abitur eine volle Berufsausbildung absolvieren können. Noch steht allerdings eine Entscheidung der Bundesländer aus.

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