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Fotostrecke: 2 Bilder
Zwei Wochen lang haben sich die Teilnehmer der Fortbildung auf die Prüfung vorbereitet. Im Eislabor in der Philipp-Holzmann-Schule zeigten sie der Prüfungskommission, was sie gelernt haben. Jetzt haben die Speiseeishersteller ein Diplom in der Tasche.
Heiß auf Eis

Sommergefühle, obwohl draußen der Novemberwind stürmt: Acht junge Männer und Frauen haben bei der Handwerkskammer Rhein-Main ihre Prüfung zum Speiseeishersteller abgelegt. In den schriftlichen und mündlichen Prüfungen ging es um Theorie. Erst der Praxistest zeigte, was ein guter Eishersteller ist.

Die süße Verführung kommt aus der Edelstahlmaschine. Annette Nepple schaut prüfend auf die braune Masse, die sich sämig aus dem mannshohen Gerät windet. Das sieht gut aus: Schokoladen-Zimt-Eis. Gar nicht einfach in der Herstellung, wie man vermuten könnte. „Auf die richtige Rezeptur kommt es an“, sagt die junge Frau mit den dunklen Haaren.

Im Eislabor in der Philipp-Holzmann-Schule in Frankfurt am Main geht’s zur Sache. Zwei Wochen lang haben sich hier acht junge Männer und Frauen auf die Prüfung zum Speiseeishersteller vorbereitet. Viel Theorie stand auf dem Programm. Die Teilnehmer wurden mit Rezeptvarianten vertraut gemacht und über Hygiene- und Frischevorschriften aufgeklärt. Hinzu kam Unterricht in betriebswirtschaftlichen Fächern: Buchführung und Kostenrechnung standen auf dem Stundenplan, Arbeitsrecht, Tarifverträge und Unfallverhütungsvorschriften.

Im Mittelpunkt stand jedoch die Praxis. Kunstvolles Fruchtschnitzen will schließlich genauso gelernt sein wie Geschmacks- und Farbkombinationen oder das appetitliche Anrichten eines Eisbechers. Der Praxistest zeigte: Das Lernen hat sich gelohnt. Mit ruhiger Hand dekoriert Annette Nepple ihren Eisteller. Erst die eingelegten Orangenscheiben, darauf drei dunkle Kugeln Schoko-Zimt-Eis, dazu dickflüssige Schokoladensauce, Krokant und Granatapfel-Perlen. Fertig ist die „Winterliche Kreation“. Die Prüfungskommission, die aus deutschen und italienischen Eissachverständigen zusammengesetzt ist, kostet und nickt: „Lecker.“

„Unser Ziel ist, dass die Teilnehmer lernen, wie sie Rezepturen verbessern können“, sagt Unterrichtsleiter Marzio Giust. Der gebürtige Italiener kommt aus Vittorio Veneto bei Venedig. In Deutschland bringt er seinen Schülern die Grundlagen der Speiseeisherstellung bei. „Ein Eisbecher muss strahlen“, erklärt er. „Das Auge soll sich freuen.“

Die Fortbildung zum Speiseeishersteller bei der Handwerkskammer Rhein-Main ist etwas Besonderes. „Diese staatliche Prüfung ist einzigartig in Deutschland“, erläutert Wilfried Pawlik von der Handwerkskammer Rhein-Main, der das Ausbildungsprogramm betreut. Die Kursteilnehmer bestätigen das. „Das Seminar ist klasse“, sagt Florian Rischewski, „sonst kauft sich jeder sein Pulver und mischt etwas zusammen. Aber man muss auch wissen, welche Wirkung die Zutaten im Eis haben.“

Giulio Calabrese und Giuseppe Ritacco machen sich gerade daran, ihren Meloneneisbecher zu gestalten. Geschickt drehen die beiden Italiener dünne Melonenscheiben zu Blüten und drücken sie ins Eis. Beide sollen später die Eisdielen ihrer Eltern übernehmen. Da wollen sie gut vorbereitet sein. „Der Job ist hart“, sagt Giulio Calabrese, „zwölf Stunden Arbeit und mehr am Tag sind keine Seltenheit.“ Sein Kollege pflichtet ihm bei: „Aber es ist ein kreativer Beruf.“

Die Handwerkskammer Rhein-Main veranstaltet die Fortbildung zum geprüften Speiseeishersteller zusammen mit der Union der italienischen Speiseeishersteller in Deutschland (Uniteis e.V.). Das Seminar dauert 2 Wochen und findet in der Philipp-Holzmann-Schule statt. Als Teilnahmevoraussetzung müssen die Bewerber als Konditor, Bäcker oder in der Gastronomie gearbeitet haben oder erste Arbeitserfahrungen in einer Eisdiele nachweisen.

Der nächste Kurs findet vom 8. bis 20. Januar 2007 statt. Kosten inklusive Material: 1.090 Euro. Wer Interesse hat, kann sich anmelden bei der Handwerkskammer Rhein-Main, Bockenheimer Landstraße 21, 60325 Frankfurt am Main. Ansprechpartner ist Wilfried Pawlik, Tel. 069/ 97172165, oder per E-Mail: pawlik@hwk-rhein-main.de. Mehr Infos gibt’s auch im Internet unter www.hwk-rhein-main.de.


erstellt am 24.11.2006
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