Beispiel für Bürokratieabbau - Meinung - deutsche handwerks zeitung

Meinung - 14.06.2012

Kommentar

Beispiel für Bürokratieabbau

Schnelligkeit ist nicht gerade ein Markenzeichen der Brüsseler Gesetzgebung. Doch endlich gibt es eine gute Nachricht aus Brüssel: Die Tachografenpflicht wird erleichtert – ein Etappensieg. - Von Lothar Semper

Dr. Lothar Semper
Kasia Sander
Dr. Lothar Semper, stellvertretender Chefredakteur der Deutschen Handwerks Zeitung.

Der Transportausschuss des Europäischen Parlaments hat beschlossen, dass für Handwerker Ausnahmeregelungen von der Tachographenpflicht kommen sollen. Was das im Einzelnen heißt, wird später noch erörtert. Allerdings ist der genannte Beschluss erst ein Etappensieg. Denn noch muss er auch vom Plenum des Europäischen Parlaments verabschiedet werden. Zudem ist die Abstimmung mit Rat und Kommission erforderlich. Aber diese Hürden dürften zu nehmen sein.

Das Thema Tachographenpflicht ist seit Jahren ein Dauerbrenner. Es zeigt zum einen, wie langsam die Mühlen der Brüsseler Bürokratie mahlen. Zum anderen macht es deutlich, worum Brüssel sich so alles kümmert. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Nachweispflichten für Berufskraftfahrer im Güter- und Personenverkehr sind im Sinne der Verkehrssicherheit notwendig. Erst neulich machte wieder ein Lkw-Fahrer Schlagzeilen, der 55 Stunden ohne Pause unterwegs war. Aber darum geht es nicht bei Handwerkern. Sie brauchen schlicht die Möglichkeit, ohne bürokratische Schranken Material, Ausrüstungen oder Maschinen auf die Baustelle zu bekommen.

Hoffen auf eine schneller Umsetzung

Hier ist man nun den Anliegen des Handwerks weit entgegengekommen. Denn künftig werden derartige Fahrten im Umkreis von 150 Kilometern um den Unternehmenssitz von der Tachographenpflicht freigestellt. Dabei darf das Lenken nicht die Haupttätigkeit des Fahrers sein. Auch Verbände betroffener Branchen sind mit dieser Lösung sehr zufrieden und hoffen auf schnelle Realisierung.

Die Schnelligkeit allerdings ist nicht gerade ein Markenzeichen der Brüsseler Gesetzgebung. Denn der jetzt zum Zuge kommende Vorschlag war bereits vor drei Jahren von der EU-Kommission als eine der besten Ideen für den Bürokratieabbau ausgezeichnet worden. Äußerst hilfreich war für den Erfolg, dass sich auch Edmund Stoiber, der Leiter der hochrangigen Gruppe nationaler Experten für den Bürokratieabbau, diesen Vorschlag zu eigen gemacht hat.

Der ehemalige bayerische Ministerpräsident leistet in seiner neuen Funktion gute Dienste. Erst im Februar dieses Jahres hat er einen Zwischenbericht seiner Arbeit vorgestellt. Eine Feststellung macht darin allerdings hellhörig: Fast ein Drittel der mit dem EU-Recht verbundenen Verwaltungslasten für Unternehmen sollen nämlich auf einer ineffizienten Um­setzung von EU-Anforderungen in innerstaatliches Recht beruhen. Daraus kann man nur eine Schlussfolgerung ziehen: Bürokratie lässt sich nicht damit abbauen, dass jeweils der eine auf den anderen als Verursacher hinweist. Vielmehr bleibt der Bürokratieabbau eine Herkulesaufgabe für alle staatlichen Ebenen.

 
© deutsche-handwerks-zeitung.de 2013
Alle Rechte vorbehalten

Kommentare und Bewertungen Kommentar verfassen

Durchschnittliche Bewertung dieses Artikels:
starstarstarstarstar
(2 Bewertungen)
Ihre Bewertung dieses Artikels:

Zum Bewerten klicken Sie bitte auf die Sterne

Es sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar

Die Woche mit der DHZ

Europa (fast) ohne Krise

Sind Sie ein Teamplayer? Kompromissbereit, mit Freude an der Arbeit und immer bereit anderen auszuhelfen? Ja? Na dann herzlich willkommen in der Europäischen Union. Diese Woche zeigte, dass Wirklichkeit werden könnte, was lange nur in den Verträgen stand. Von Jana Tashina Wörrle

Umfrage

Neues Insolvenzrecht: Vor- oder Nachteil fürs Handwerk?

Gewinnspiel

Verlosung: Reise in die Schweiz

Reise-Gewinnspiel: Ab in die Schweiz!

Mitmachen und gewinnen! Erleben Sie die Natur der Schweizer Berge, die Kultur der UNESCO-Welterbestädte oder die Shoppingmöglichkeiten in der zollfreien Stadt Samnaun.

Meinung

Demografie-Gipfel lässt noch Wünsche offen

Der zweite Demografiegipfel der Bundesregierung hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Die Diagnose ist zwar richtig, aber die Therapie noch verbesserungsfähig. Ökonomische Fragen geraten aus dem Blick. Von Lothar Semper

Wissensquiz

Alltag in Zahlen: Schätzen Sie mal...

Wie viel Handwerk steckt eigentlich in unserem Alltag? Testen Sie Ihr Wissen. Jetzt starten

Newsletter

DHZ-Aktuell