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Einblicke in die Zukunft des Zimmererhandwerks Bei Müllerblaustein arbeitet ein Roboter im Holzbau

Was in der Autoindustrie seit Jahrzehnten gang und gäbe ist, hält nun im Holzbau Einzug. Bei der Firma Müllerblaustein fräst und bohrt ein Roboter Furnierschichtholzplatten.

Der Handwerksbetrieb aus Blaustein ist Partner im Projekt „Robotik im Holzbau“, das den Einsatz von Industrierobotern in kleinen und mittelständischen Holzbauunternehmen Baden-Württembergs vorantreiben soll.

Höhere Tragfähigkeit ermöglicht Formenvielfalt

Aus den 50 mm dicken Buchenholzplatten entsteht ein Pavillon für die Landesgartenschau in Schwäbisch-Gmünd, die der Forst als Ausstellungshalle nutzen möchte. Das 6 m hohe Gebäude mit einer Spannweite von 15 m sieht aus wie eine auf den Kopf gestellte Nierenschale. Ausgelegt als Flächentragwerk ohne Säulen stellt der Bau höchste Anforderungen an die Konstruktion. Keine der 243 Holzplatten gleicht der anderen. Die Wölbungen bedingen ein hohes Maß an Präzision bei den Zinkenverbindungen, die ohne Metallteile auskommen sollen.

Achim Menges, Professor am Institut für Computerbasiertes Entwerfen der Uni Stuttgart, sieht in digitalen Herstellungsmethoden die Zukunft des Bauwesens. Der Einsatz von Industrierobotern sei vergleichsweise günstig. Im Holzbau ließen sich so ressourcenschonend individualisierte Bauteile realisieren, deren geometrische Form zudem mehr Tragfähigkeit ermöglicht.

Zimmererhandwerk wird interessanter

Angst davor, dass die Roboter in naher Zukunft den Zimmerern die Arbeit wegnehmen könnten, hat Daniel Müller nicht. Er ist einer von acht Zimmerermeistern unter den rund 60 Beschäftigten bei Müllerblaustein und sieht in der neuen Technik eher Chancen. „Das macht unseren Beruf noch interessanter und verschafft dem Unternehmen mehr Kapazitäten bei der Montage.“

Roboter im Holzbau
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Derweil spult der Roboter, geschützt von einer Sicherheitsumhausung, sein Programm ab. Wenn die Buchenplatten fertig sind, müssen noch 19 mm starke Lärchenplatten für die Außenhaut des Pavillons bearbeitet werden. Sie werden dafür wie die Buchenplatten auf einen drehbaren Rundtisch gespannt, der dem sechsachsigen Roboter (Nutzlast 120 kg/Reichweite 3,7 m) als externe Achse dient.

Bauzeichnung nur noch digital

Am häufigsten sind Roboter dieser Größenordnung im Karosseriebau der Autohersteller im Einsatz. „In 15 Sekunden können sie bis zu 15 Schweißpunkte setzen“, erklärt Thomas Quigley von Kuka, einem der weltweit führenden Anbieter von Robotern aus Augsburg. Rund 20.000 Roboter mit Traglasten zwischen 7 kg und 1 t werden bei Kuka pro Jahr gebaut.

Wenn sie künftig auch an kleine und mittelständische Handwerksbetriebe abgesetzt werden sollen, müssen die Roboter eine neue Sprache lernen, damit sie mit CNC-gesteuerten Maschinen zusammenarbeiten können. Vom Forstpavillon für die Landesgartenschau gibt es keine Zeichnung, nur eine Datei, die die CNC-gesteuerte Abbundmaschine im Zuschnitt genauso lesen können muss wie der Roboter.

Für Müllerblaustein sind die Arbeiten am Pavillon eine Art Testballon. Projektleiter Benjamin Eisele kann sich durchaus vorstellen, dass Roboter auch in Zukunft im Unternehmen arbeiten werden. „Allerdings bräuchten wir ein viel größeres Exemplar. Unser Roboter müsste einen Arbeitsbereich von vier mal 15 Metern abdecken. Das geht wohl nur, wenn er auf Schienen fährt“, sagt der Bauingenieur.

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