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Bauwirtschaft Baubranche rechnet mit höchstem Umsatz seit 20 Jahren

Triebfeder im Bau bleibt der Wohnungsbau. Die Branche rechnet insgesamt mit einem Umsatzplus von fünf Prozent.

Die starke Nachfrage nach Wohnungen beschert der Bauwirtschaft ein kräftiges Umsatzplus. " Die baugewerblichen Umsätze im Bauhauptgewerbe dürften um fünf Prozent zulegen und mit 112,2 Milliarden Euro den höchsten Wert der vergangenen 20 Jahre erreichen“, sagte Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, zu den gemeinsamen Prognosen von Baugewerbe und Bauindustrie. Im vergangenen Jahr hat die Bauwirtschaft ein Umsatzplus von sechs Prozent erreicht und damit die Wachstumsprognose vom Jahresanfang verdoppelt.

Zahl der Beschäftigten steigt

Um die Vielzahl der Bauaufträge abzuarbeiten, wird die Brache auch dieses Jahr weiter Personal aufstocken. "Allerdings stößt unser Beschäftigungsaufbau mittlerweile an seine Grenzen“, warnt ZDB-Präsident Hans-Hartwig Loewenstein. Die Branche stelle deshalb seit Jahren vermehrt Fachkräfte aus dem Ausland ein. Ihr Anteil sei seit 2010 von 7,7 Prozent auf mehr als 13 Prozent gestiegen und dürfte in diesem Jahr noch zunehmen. Außerdem soll die Nachwuchsförderung weiter intensiviert werden. Denn die Branche verliert rund die Hälfte der frisch ausgebildeten Nachwuchskräfte nach und nach an andere Wirtschaftszweige. Insgesamt will die Bauwirtschaft die Zahl der Mitarbeiter 2017 um rund 10.000 auf rund 790.000 Beschäftigte erhöhen, nachdem sie im Vorjahr 17.000 Mitarbeiter hinzugewonnen hatte.

Wohnungsbau bleibt stärkster Umsatzbringer

Getrieben wird die Branche auch in diesem Jahr vom Wohnungsbau. Angesichts der starken Zunahme der Baugenehmigungen 2016 erwarten die Unternehmen ein Umsatzplus von sieben Prozent auf 42,9 Milliarden Euro, nachdem dieses Segment 2016 sogar um neun Prozent zulegte. Bis zum Jahresende könnten den Prognosen zufolge bis zu 320.000 (Vorjahr: 290.000) Wohneinheiten fertiggestellt werden. Gleichwohl werde der Bedarf von jährlich mindestens 350.000 Wohnungen weiter verfehlt, warnen die Branchenvertreter.

Kommunale Baulandoffensive nötig

Gerade deshalb sollten ihrer Ansicht nach die Vorgaben der Baukostensenkungskommission endlich realisiert werden. "Mit den Erkenntnisprozessen sind wir sehr zufrieden, mit der Umsetzung hapert es aber noch erheblich“, sagte der Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Peter Hübner. Notwendig sei nicht nur eine kommunale Baulandoffensive. Auch der Verzicht überbordender Baustandards und verbesserte steuerliche Abschreibungsbedingungen seien unabdingbar.

"Mit den Erkenntnisprozessen sind wir sehr zufrieden, mit der Umsetzung hapert es aber noch erheblich“, sagte Peter Hübner.

Öffentlicher Bau profitiert auch von kommunalen Investitionen

Für den öffentlichen Bau erwartet die Bauwirtschaft angesichts der aufgestockten Investitionsmittel beim Bund und den Gemeinden sowie den vorliegenden Baugenehmigungen ein stabiles Umsatzwachstum von fünf Prozent auf 31,05 Milliarden Euro. Wie Hübner sagte, könnten 2017 insbesondere die Investitionen bei den Kommunen ins Laufen kommen. Denn zum einen hat der Bund die Mittel hier Ende 2016 erhöht, zum anderen dürften die Kommunen jetzt auch bei den Schulen direkt in Sanierungsmaßnahmen einsteigen. Kritisch sieht die Branche allerdings, dass die Länder ihre Infrastrukturmittel nicht komplett verbauen könnten. Denn angesichts der ausgedünnten Auftragsverwaltungen stünden nicht genügend baureife Projekte zur Verfügung.

Prognose im Wirtschaftsbau mit stärksten Unsicherheiten behaftet

Am schwersten lässt sich die Entwicklung am Wirtschaftsbau vorhersagen. Als Grund nannte Hübner die starke globale Verflechtung. Noch seien etwa die Auswirkungen des Brexits oder der US-Wahl nicht klar absehbar. Gleichwohl hält die Branche ein Umsatzplus von rund drei Prozent auf 38,25 Milliarden Euro für möglich. Vor allem bei Fabrik- und Werkstattgebäuden hätten sich die Baugenehmigungen von Januar bis Oktober 2016 mit einem Plus von 25 Prozent positiv entwickelt.

Ein gesetzliches Rückgriffsrecht ist unbedingt notwendig

Mit Blick auf anstehende gesetzliche Reformvorhaben plädieren die Spitzenvertreter der Verbände, Hürden für Unternehmen möglichst rasch ab- und nicht neue aufzubauen. So sollten etwa bei der Reform des Bauvertrags- und Kaufrechts entscheidungsreife Bestandteile ausgegliedert und in den nächsten Monaten verabschiedet werden. Dies gelte etwa für das Thema Ein- und Ausbaukosten. Allerdings dürfe es hier keine Mogelpackung geben. Unbedingt klargestellt werden müsse, dass die Ein- und Ausbaukosten weder die Bauunternehmer beziehungsweise Bauhandwerkwerker noch den Handel einseitig belasten dürfen. Sie müssten vielmehr vom Verursacher, also vom Hersteller, getragen werden. Ein klares, gesetzliches Rückgriffsrecht sei deshalb erforderlich und dürfe auch nicht durch andere Regelungen in den allgemeinen Geschäftsbedingungen ausgehebelt werden.

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