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Nicht besetzte Lehrstellen Azubi: Das größte Problem ist der Informationsmangel

In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der nicht besetzten Lehrstellen in Deutschland verdreifacht. Doch zwischen den Regionen und Gewerken gibt es erhebliche Unterschiede. Wie Unternehmer mit dem Problem umgehen können, erklärt Sebastian Bußmann vom IW Köln im DHZ-Interview.

Deutsche Handwerks Zeitung: Herr Bußmann, je nach Regionund Gewerk haben Unternehmermassive Probleme, Azubis zu finden.Was können sie dagegen tun?

Bußmann: Zunächst ist es wichtig fürUnternehmen, zu wissen, wo es dennnoch potenzielle Nachwuchskräftegibt. Die Zahlen der Schulabsolventenvariieren innerhalb von Deutschlandstark. Oft sieht es schon imNachbarort besser aus. Dort, wo voraussichtlichmehr Absolventen zu erwartensind, lohnt es sich, verstärktum Nachwuchs zu werben. Zahlendarüber bieten die statistischen Landesämter,Handwerkskammern, dielokale Agentur für Arbeit, die Wirtschaftsförderungund die Schulen.

Deutsche Handwerks Zeitung: Sind Jugendliche überhauptbereit, sich von ihrer Heimat wegzubewegenund woanders zu arbeiten?

Bußmann: Bisher bewerben sich nuretwas mehr als zehn Prozent derAzubis überregional. AusbildendeBetriebe sollten vorab klären, ob derBewerber glaubt, in der Region bleibenzu können. Es ist wichtig, dasssich die jungen Leute gut aufgehobenfühlen. Ein wertschätzenderUmgang miteinander, Mitarbeitergespräche,Team-Events und das Eingehenauf Wünsche können da vielbewirken. Auch im Privatbereichsollten Chef und Kollegen dem Neuankömmlingunter die Arme greifen,beispielsweise indem sie ihn mit zuFreizeit- oder Sportveranstaltungennehmen oder eine Art Mentoring-Programm aufsetzen.

Azubis brauchen Zukunftsperspektiven

Deutsche Handwerks Zeitung: Und fachliche Aspekte?

Bußmann: Der Azubi braucht natürlichZukunftsperspektiven. Er musswissen, dass er sich weiterentwickelnkann, beispielsweise die Option aufeinen Meister oder Techniker besteht,und er hier auch gefördert wird.

Deutsche Handwerks Zeitung: Gibt es weitereStellschrauben?

Bußmann: Ja, Unternehmersolltenalle Potenzialenutzen. Ich kenneeine Bäckerei inKöln, die bei ihrenMitarbeiternbewusst auf Vielfaltsetzt in puncto Geschlecht, Herkunftund Leistungsfähigkeit. Dasmacht sie für Bewerber sehr attraktiv.

Deutsche Handwerks Zeitung: Manche Betriebe bekommenaber nur noch die Leistungsschwächsten,die sehr intensive Betreuungbrauchen. Wie viel kann einHandwerksunternehmer da leisten?

Bußmann: Jeder Unternehmer mussselbst bestimmen, wann eineSchwelle erreicht ist, die er nichtüberschreiten möchte. Bevor sichaber jemand ganz aus der Ausbildungzurückzieht, sollte er die vielenUnterstützungsmöglichkeiten prüfen,die er bei der Ausbildung Leistungsschwächerernutzen kann.Denn das größte Problem ist oft derInformationsmangel.

Tipps zur Azubisucheunter www.kofa.de

Hilfen für Leistungsschwächere

Wer leistungsschwächeren Jugendlicheneine Chance gibt, sollte folgende Programmeder Agentur für Arbeit (BA)kennen:

Berufseinstiegsbegleitung: richtet sichan Schüler, die einen Hauptschul- oderFörderschulabschluss anstreben undanschließend eine Ausbildung und besondereUnterstützung benötigen.

Einstiegsqualifizierung: ein Praktikumvon sechs bis zwölf Monaten für jungeLeute, die noch nicht für eine Ausbildunggeeignet, lernbeeinträchtigt odersozial benachteiligt sind. Der Arbeitgeberbekommt von der BA einen Zuschussbis zu 216 Euro monatlich pluseinem Anteil am Gesamtsozialversicherungsbeitrag.

Ausbildungsbegleitende Hilfen: Fachliche,sprachliche oder soziale Nachhilfefür Jugendliche, die für einen erfolgreichenAusbildungsabschluss zusätzlicheHilfe benötigen.

Assistierte Ausbildung: TiefergehendeFörderung für Azubi und Betrieb mitVorbereitungs- und Unterstützungsangebotenvor und während einer regulärenAusbildung.

Erstausbildung junger Erwachsener:Arbeitgeber bekommen Zuschüsse zuArbeitsentgelt und Sozialversicherungsbeiträgenvon 25- bis 34-Jährigen,die bei ihnen eine abschlussorientierteErstausbildung machen.

Zweijährige Ausbildungsberufe: Kannder Jugendliche aufgrund seiner Beeinträchtigungenkeine reguläre Ausbildungschaffen, prüft die BA, ob einetheoriegeminderte Fachpraktikerausbildungfür ihn in Frage kommt.

Die Broschüre "A-Z der Arbeitsförderung" des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales informiert detailliert über alle Programme.

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