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Auto-Test: Dreiseitenkipper für das Baugewerbe So praxistauglich ist der Nissan Cabstar

Kastriert auf führerscheinfreundliche 3,5 Tonnen Gesamtgewicht, kann Nissans Leicht-Lkw Cabstar als Kipper mehr, als auf dem Papier steht. Für unseren Test stand die Einstiegsmotorisierung mit 122 PS zur Verfügung.

Nissan Cabstar Kipper
Der Nissan Cabstar ist als Dreiseitenkipper ein extrem wendiger Allrounder für viele Baugewerke. -

Wenn "kopflastig", "leer" und "Heckantrieb" zusammen kommen, passiert genau das: durchdrehende Antriebsräder auf der feuchten Wiese. Da hilft nur noch rückwärts runter rollen und dann mit Schwung in den Feldweg.

Der Cabstar ist aber nicht der einzige Kleinlaster, der im Leerzustand schnell mit Traktionsproblemen zu kämpfen hat. Trotz automatischen Sperrdifferenzials. Aber das hilft halt auch nichts, wenn beide Antriebsräder keinen Halt finden.

Sein kurzer Radstand und der beträchtliche vordere Überhang sorgen zudem für eine gewisse Kopflastigkeit. Die für einen 3,5-Tonner großzügig bemessene Vorderachslast von 1.750 Kilogramm kommt damit gut klar, die wenig belastete Hinterachse leidet aber ein wenig unter zu geringem Aufstandsdruck bei Leerfahrten.

So bewertet die DHZ den Nissan Cabstar 35.12 Kippe
positiv negativ
Wendekreis, Wendigkeit
robustes Fahrgestell
Kippkabine
wenig Nutzlast
Motor-Charakteristik
Lärmeintrag

Nissan Cabstar Kipper im Praxischeck

Missverhältnis zwischen Leergewicht und Nutzlast

Dafür hat der Cabstar in seiner Ausführung als 3,5-Tonner Kipper das Zeug zum wendigen Stadtflitzer. Kurz übersetzt, ist er leicht im Stadtverkehr zu bewegen. Sein Wendekreis ist so klein, dass Wendemanöver in einem Zug gelingen, wenn die Straße mindestens 10,6 Meter breit ist. Für kommunale Einsätze, im Garten- und Landschaftbau sind solche Fahrzeuge willkommene Arbeiter, im Bau-Haupt- und Nebengewerbe gehören Typen wie der Cabstar zur "schnellen Eingreiftruppe": eine Fuhre Trockenbeton, Sand oder Schotter? Kein Problem.

Nur zu viel darf man nicht verlangen. Auch die Cabstars der 35er Reihe leiden wie alle 3,5 Tonner Leicht-Lkw mit Pritschen- oder Kipperaufbau unter einem krassen Missverhältnis zwischen Leergewicht und Nutzlast. Und ebenso wie der Cabstar waren alle diese Leicht-Lkw vom Schlage eines Mitsubishi Canter, einer Isuzu N-Serie oder des baugleichen Renault Maxity ursprünglich als Fünf-, Sechs- oder gar 7,5-Tonner ausgelegt. Deren segensreiche Zeiten sind allerdings vorbei.

Lkw-Schein zu teuer für kleine Gewerbebetriebe

Nissan Cabstar Kipper
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Die EU-Führerscheinreform machte dieser nutzlaststarken und praktischen Fahrzeuggattung den Garaus. Schwerer als 3,5 Tonnen, das heißt: entweder den alten Führerschein Klasse III oder die EU-Lizenz C1 oder C1E (E für die Hänger-Lizenz) für Fahrzeuge bis 7,5 t Gesamtgewicht. Deren Besitzer aber muss man mit der Lupe suchen. Den C1 macht von den Jungen kaum jemand. Wenn schon, so das Motto, dann gleich den Lkw-Schein CE - und dann ab als Trucker ins Transport-Gewerbe. Etwas anderes bleibt dem frischgebackenen Lkw-Schein-Besitzer ohnehin nicht übrig, denn die 8.000 bis10.000 Euro für den Lkw-Schein müssen erst mal wieder reinkommen.

Der Nissan Cabstar steht stellvertretend für die EU-Führerschein-Misere: abgemagert auf 3,5 Tonnen steht er auf kurzen, aber kräftigen Beinen, darf aber nur gut eine Tonne draufpacken. Von der Grundstruktur her könnte er aber locker das Doppelte schultern. Ein zum Pkw mit Ladefläche kastriertes, ehemals nutzlaststarkes Lkw-Konzept führt nun sein jämmerliches Dasein.

Es ist absurd. Selbst Nissan verweist in seiner Preisliste darauf, dass die 4,5-Tonnen-Version des Cabstar mit knapp einer Tonne mehr Nutzlast nur "per Sonderbestellung" erhältlich sei. Aber immerhin: es gibt ihn noch.

Seite 2: Cockpit und Pritsche im Test.>>>

Messwerte zum Nissan Cabstar finden Sie hier.>>>

Technische Daten können Sie hier nachlesen.>>>

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