Azubi -

Wie Ausbilder gute Bewerber finden Ausbildung vermarkten: Das Gesamtpaket muss passen

Im Werben um Azubis hat das Handwerk aufgeholt. Dennoch blieben im Herbst 18.000 Ausbildungsstellen unbesetzt. Wer in der Konkurrenz um guten Nachwuchs gewinnen will, sollte folgende Regeln berücksichtigen.

"Das Gesamtpaket muss passen“, betont Hans Schmidt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz und Spezialist für Berufsbildung. Ein gut geführter Betrieb, ein angenehmes Betriebsklima und zufriedene Mitarbeiter seien die Grundvoraussetzung, um erfolgreich Azubis anzuwerben. "Wenn das alles stimmt, sind die eigenen Mitarbeiter die besten Botschafter für den Betrieb.“

Im engen Kontakt zwischen Chef und Mitarbeitern liegt die große Stärke des Handwerks. Laut Shell-Jugendstudie von 2015 erwarten Jugendliche von ihrer Arbeit vor allem Sicherheit. Sie wollen ihre eigenen Ideen einbringen und suchen Sinn in ihrer Tätigkeit. "Wir beobachten Fälle, wo Arbeitnehmer aus der Industrie ins Handwerk abwandern, weil ihnen in den stark automatisierten Produktionsprozessen die Sinnhaftigkeit fehlt“, berichtet Schmidt.

Greifbare Arbeit mit Sinn

Sinnhaftigkeit, eingebunden sein in alle Prozesse, ein kleines Team, das alles sind Vorteile des Handwerks, die der Chef zunächst selbst wertschätzen und dann auch kommunzieren muss.

Am besten gelingt das im direkten Kontakt, bei Schulbesuchen. Lange Jahre waren solche Besuche fast nur in Haupt- oder Mittelschulen möglich. Immer mehr ziehen aber auch Realschulen und sogar Gymnasien nach. Unternehmer können ihre regionale Vernetzung nutzen, um Kontakte zu den Schulen zu knüpfen. Oft gibt es zwar noch keine institutionalisierten Abläufe, über Elternbeiräte und Klassenlehrer lassen sich aber Termine organisieren.

Shell Jugendstudie

Schüler interessieren sich nicht nur für die Sichtweise des Chefs, sondern auch dafür, was Azubis oder jüngere Gesellen über die Ausbildung und den Arbeitsalltag sagen. Praktika sind unverzichtbar, hier lernen sie den Betrieb kennen, oft resultieren daraus Ausbildungsverträge.

Soziale Netzwerke nutzen

Um den eigenen Bekanntheitsgrad zu steigern ist es auch für Kleinstunternehmer wichtig, soziale Netzwerke wie Facebook, LinkedIn oder Xing zu nutzen, auch, um dort ein modernes Bild des Berufs zu zeigen. "Die Betriebe sollten sich hier der Umgebung der Jugend anpassen, ohne die eigenen Werte zu verlieren“, rät Schmidt. Ein ansprechender Inter­net­auftritt gehört in jedem Fall dazu.

Nach wie vor wirkungsvoll ist der Auftritt auf Ausbildungsmessen. Wer sich hier an Gemeinschaftsständen beteiligt, hat bei relativ geringen Kosten in kurzer Zeit viele Kontakte, nicht nur zu Schülern, sondern auch zu Eltern und Lehrern. Auch das ist nötig, stellt Schmidt fest: "Viele Lehrer haben sehr wenig Kenntnis darüber, wie sich die Berufe verändert haben. Sie haben immer noch ein historisches Bild vom Handwerk.“

Generationen X, Y und Z

Wie tickt welche Generation? Bei aller Individualität haben Wissenschaftler bestimmte Züge festgestellt, die Angehörigen einer Altersgruppe gemein sind.

Generation X: Geboren in den 1960er bis Mitte 1970er Jahre: Eine illusionslose Gruppe mit geringen Aufstiegserwartungen.

Generation Y: Geboren Ende der 1970er bis Mitte der 1990er Jahre: Die ersten „digital natives“, denen Sinnhaftigkeit und Werte im Leben wichtig sind. Sie suchen in der Arbeit die persönliche Weiterentwicklung und Selbstentfaltung.

Generation Z: Geboren ab Ende der 1990er Jahre: Sie trennen klar zwischen Arbeit und Privatem, legen Wert auf Harmonie und Planungssicherheit. dhz

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