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Kooperation zwischen Bund und Handwerk Aus Flüchtlingen werden Auszubildende

Das Bundesbildungsministerium, die Bundesagentur für Arbeit und das Handwerk wollen künftig bei der Integration von Flüchtlingen in berufliche Ausbildung eng zusammen arbeiten.

Bund und Handwerk wollen mit einem Sonderprogramm in den nächsten zwei Jahren bis zu 10.000 Flüchtlinge in eine handwerkliche Ausbildung bringen. "Wir wollen nicht mit unrealistischen Zahlen arbeiten“, sagte ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer bei der Vorstellung des Vorhabens. Eine Zielmarke von 10.000 halten sowohl er wie auch Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) und der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, für erreichbar.

Asylbewerber an eine Ausbildung im Handwerk heran führen

Dabei sollen die drei Programmpartner mit ihren jeweiligen Kompetenzen zur besseren Integration der Flüchtlinge beitragen. "Jeder macht das, was er gut kann“, sagte Wanka. So sollen anerkannte Flüchtlinge sowie Asylbewerber oder Geduldete mit Arbeitsmarktzugang durch ein umfassendes Qualifizierungs- und Betreuungssystem an eine Ausbildung herangeführt werden. "Wir wissen, dass rund die Hälfte der Flüchtlinge unter 25 Jahre alt ist, viele von ihnen haben eine gute Bleibeperspektive. Ihre Integration kann gelingen, wenn wir sie dabei unterstützen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen und eine Ausbildung auch erfolgreich zu absolvieren", fügte Wanka hinzu. Das Ministerium wolle dafür insgesamt 20 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

Teilnahme nur unter bestimmten Voraussetzungen

Voraussetzung für die Teilnahme an dem neuen Programm ist, dass die jungen Flüchtlinge nicht mehr schulpflichtig und unter 25 Jahre sind, über gute Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen und sich im deutschen Ausbildungs- und Beschäftigungsmarkt orientieren können. Sie sollten deshalb einen Integrationskurs des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge sowie das Programm "Perspektiven für junge Flüchtlinge“ der Bundesagentur für Arbeit durchlaufen haben.

Chancen für Flüchtlinge in ländlichen Regionen

In der anschließenden "Berufsorientierung für Flüchtlinge“ unterstützt das Bildungsministerium die jungen Menschen bei der Vorbereitung für eine Ausbildung im Handwerk und setzt dabei auf eine dreimonatige, vertiefte fachliche und praktische Berufsorientierung in den rund 550 Bildungszentren des Handwerks. Das Handwerk unterstützt den Praxisbezug durch betriebliche Praktika für die Teilnehmer, stellt die Infrastruktur der Bildungsstätten zur Verfügung und hilft bei der Vermittlung in die Ausbildung. Damit könnten nach den Worten Wankas besonders auch ländliche Regionen und die dortigen Betriebe vom Programm profitieren. Auch wolle sie gezielt Frauen für das Programm ansprechen.

ZDH-Präsident Wollseifer blickt der neuen Kooperation vielversprechend entgegen: "Die Motivation der jungen Flüchtlinge ist hoch – mit einer Berufsorientierung und fachlichen Berufsvorbereitung in unseren Bildungsstätten wird ihnen der Schritt in die betriebliche Ausbildung gelingen“, sagte er. Mit einer besseren Vorbereitung und einer guten Betreuung während der Ausbildung wolle man auch dafür sorgen, dass möglichst viele Auszubildende ihre Lehre abschließen. Die jüngsten Erfahrungen in 15 Handwerkskammern hätten gezeigt, dass so die Abbrecherquoten deutlich gesenkt werden können.

Flüchtlinge über Vorteile der Ausbildung aufklären

Wie BA-Chef Weise betonte, müsse der Aufenthaltsstatus der Flüchtlinge noch schneller geklärt werden. In seiner Doppelfunktion als Chef des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge wolle er dazu beitragen. Weil bei Flüchtlingen das Geldverdienen teilweise einen höheren Stellenwert als die Ausbildung habe, müssten sie rechtzeitig aufgeklärt werden, dass sich eine Ausbildung schon mittelfristig auszahle und die bessere Investition sei.

Wanka wies außerdem darauf hin, dass sich die Bundesregierung vor kurzem einen besseren Abschiebeschutz von Flüchtlingen in Ausbildung und darüber hinaus vereinbart hat. Danach soll der Abschiebeschutz von bisher 21 auf 25 Jahre erhöht werden. Auch soll die bisher erforderliche jährliche Überprüfung der Auszubildenden entfallen. Darüber hinaus sollen die Flüchtlinge nach Abschluss ihrer Ausbildung noch mindestens zwei Jahre weiterbeschäftigt werden können. Diese Regelung, auf die sich die Spitzen der Koalition im Rahmen des Asylpakets II verständigt hatten, soll jetzt nach Angaben der Bundesregierung schnellstmöglich umgesetzt werden. bir/dhz

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