Panorama -

Schuhmacher Patrick Frei Auf dem Weg zum perfekten Schuh

Schuhmachermeister Patrick Frei möchte so arbeiten wie die alten Meister seiner Zunft. Oft ein großer Aufwand – den das Ergebnis rechtfertigt.

Wer sich die Webseite von Patrick Frei anschaut, der bekommt schon eine gewisse Ahnung davon, wie der Maßschuhmacher tickt. Eine durchkomponierte Gestaltung mit gediegenen, in Sepia-Tönen gehaltenen Bildern gibt Einblicke in den Beruf und Freis Tätigkeit im Besonderen. Werkzeuge werden erklärt, Schuhe präsentiert, der Produktionsprozess erläutert. Man meint, den Duft des Schuhleders und den einer alteingesessenen, mit alten Holzmöbeln eingerichteten Werkstatt förmlich aus dem Bildschirm riechen zu können. Der Wunsch drängt sich auf, den nüchternen Büroarbeitsplatz auf dem ergonomisch geformten Bürostuhl am Computer gegen den gemütlichen Schemel vor der Werkbank zu tauschen.

Auch wenn die Präsentation sicher ein wenig idealisiert ist – bei Patrick Frei ist sie nicht nur Mittel zum Werbezweck. Der Schuhmacher sagt, er liebe seinen Beruf und ihm sei es wichtig, mit dem, was er macht, noch ein wenig mehr in die Tiefen dieses Handwerks vorzudringen. Frei besetzt die Nische in der Nische. Denn, so sagt er, auch der Beruf des Maßschuhmachers ist heutzutage nicht mehr das, was er früher einmal war.

Die kleinen Kniffe waren wichtig für den Anspruch des Handwerkers an sein Produkt

Wenn der 34-Jährige von früher spricht, dann meint er tatsächlich auch eine Ära, in der sein Handwerk "seinen Zenit erreicht hatte": um 1910. Frei hat Bücher gesammelt aus jener Zeit, um nachzulesen, wie die Schuhmacher damals gearbeitet haben. Eine seiner Erkenntnisse ist, dass vieles per Hand noch detailreicher und ausgeklügelter gemacht wurde, was heute zwar weiterhin mit der Hand, aber unterstützend auch mit Maschinen erledigt wird. Sohlen etwa wurden mit gebrochenen Glasscherben abgezogen, um haarfeine Kanten zu erreichen. Der Kunde sieht den Unterschied nachher nicht unbedingt, doch für den Handwerker und seinen beruflichen Anspruch sei es zu jener Zeit wichtig gewesen, den Schuh so zu verkaufen.

Als dann die Industrie und damit die Massenproduktion kamen, mussten die Handwerker mehr und mehr Kompromisse machen, um mit der Konkurrenz mitzuhalten. Die große Kunst ging verloren.

Goldmedaille auf der Schuhmachermesse für rahmengenähten Herrenschuh

Patrick Frei will – zumindest was seine Arbeit angeht – den hohen Anspruch retten. "In hochentwickelten Gesellschaften gehört das Handwerk als immaterielles Kulturerbe dazu", gibt er sich ein wenig staatstragend. Das gelte es eben zu erhalten. Für sich selbst reklamiert er als Schuhmacher deswegen auch das Streben nach Perfektion. Seine Arbeit jedenfalls findet Würdigung. Auf der Inter-Schuh-Service Mitte März gewann er beim Internationalen Leistungswettbewerb eine Goldmedaille für ein Paar rahmengenähte Herrenschuhe.

Dabei war ihm in jungen Jahren gar nicht klar, was beruflich aus ihm werden sollte. Nach Abitur und Zivildienst reiste Frei anderthalb Jahre durch Südamerika, lebte von seiner Kleinkunst und landete bei einem Koffermacher in Bolivien. Bei ihm lernte er die Grundlagen dieses Handwerks. Irgendwann, so sagt er, drängte sich ihm die Frage auf, wie man einen Schuh herstellt. Mit seinen Erfahrungen bei der Lederbearbeitung war der Schritt zum Schuhmacher dann nicht mehr weit. Glücklicherweise fand sich in Freiburg ein Ausbildungsbetrieb. Schon bald nach der Lehre hat sich Frei selbständig gemacht. Um von den besten Schuhmachern Europas zu lernen, begab er sich dann trotzdem noch auf eine Art Walz.

"Ein Schuh ganz anders als das, was ich bisher kannte."

Diese führte ihn zum Beispiel nach München zum damals 80-jährigen und damit ältesten Schuhmachergeschäft Deutschlands. Frei fand dort einen alten Schuh, der ihn wirklich beeindruckt hat. "Ganz anders als das, was ich bisher kannte“, sagt er. Eine Art Initialzündung. Von nun an weiß er, wie es sich – jedenfalls für ihn – gehört.

Dass man Schuhe auch arbeitsteilig herstellen kann, erfuhr der junge Schuhmacher in London. Nach einer Führung beim Hoflieferanten John Lobb – einer der bekanntesten Schuhmacher der Welt – fragte er ganz unverblümt, ob er wiederkommen kann, um zuzusehen. Der Chef gab ihm vier Tage Zeit. Dort wunderte man sich, dass der Schuhmacher aus Deutschland alles ganz alleine macht. Die Firma Lobb beschäftigt für jeden der vier elementaren Arbeitsschritte der Schuhherstellung jeweils ausgebildete Mitarbeiter: den Leistenschneider, den Schäftemacher, den Schuhmacher und den Spannermacher.

Frei sieht sich nicht als reiner Dienstleister

Frei dagegen macht alles selbst. 80 bis 100 Arbeitsstunden sitzt er normalerweise an einem Paar. Wer viel Geld bezahlt, will auch eine individuelle Betreuung. Mit dem Kunden zusammen versucht Frei erst einmal herauszufinden, was dieser will und was zu ihm passt. Das Material muss ausgewählt werden und natürlich der Stil. Wähnt man sich auf dem richtigen Weg, gibt es zwischendrin auch ein Paar Probeschuhe.

Stilistisch will sich Frei gar nicht beschränken. Wenn es gewünscht ist, fertigt er nicht nur den eleganten Herrenschuh, sondern auch Pumps, Stiefel oder Wanderschuhe. Doch bei extravaganten Sonderwünschen ist er vorsichtig. Denn als reinen Dienstleister sieht er sich nicht. "Ich würde nichts machen, was mein ästhetisches Empfinden verletzt", sagt Frei. Rosa Schuhe mit schwarzen Nieten und goldener Plateausohle gingen ganz sicher nicht über seinen Ladentisch. Auf diplomatische Art macht er seinen Kunden klar, was sie an die Füße ziehen sollten und was nicht. Das nehmen diese ihm nicht übel. Die Kunden schätzten es, wenn der Meister eine eigene Meinung hat.

Der Versuch, ein perfekt passendes Paar Schuhe zu fertigen

"Man würde es auch einfacher hinkriegen", gibt er zu, aber für ihn bleibt es der Versuch, auf seine Art und Weise dem Kunden ein perfekt passendes Paar Schuhe zu fertigen. Der Aufwand ist groß und wenn es nach der Fertigungstiefe geht, müsste er seine Schuhe eigentlich deutlich teurer verkaufen. 2.500 bis 3.000 Euro nimmt er durchschnittlich fürs Paar. Im Vergleich zu europäischen Spitzenschuhmachern sei das noch günstig.

Doch für den Familienvater reicht es. Er lebe nicht auf so großem Fuß, sagt er. An Aufträgen mangelt es derzeit eh nicht. Erst recht, wo er gerade eine Goldmedaille bekommen hat. Elf Monate warten die Kunden derzeit auf ein neues Paar. Wem es zu lange dauert, der kann sich zwischendrin an den schönen Ansichten auf Freis Webseite erfreuen.

freischuhe.de

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