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Berufskrankheiten durch Asbest Die Gefahr bleibt: Wie man sich vor Asbest schützt

Asbesthaltige Materialien zu verwenden, ist seit 1993 verboten. In den 60er bis 80er Jahren war der stark gesundheitsgefährdende Stoff allerdings in vielen Baustoffen enthalten. Die Folgen zeigen sich heute. Die Zahl der Erkrankten steigt. Auch jetzt lauern noch große Gefahren bei Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten.

Was ist Asbest? Das sind kleine, feine Fasern, die in die Lunge eindringen. Asbest ist eigentlich eine Naturfaser aus Silikatmineralien, doch sie ist biobeständig. Genau dies ist die große Gefahr von Asbest: Sie löst sich nicht auf, sondern setzt sich im Lungengewebe fest und kann hier, je nachdem wie viel davon eingeatmet wurde, zu schweren Erkrankungen bis hin zu Krebs führen.

Da die Asbestfasern sehr stabil sind, wurden sie in den 1960er bis 1980er Jahren häufig in Baumaterialien eingesetzt – vor allem in Bodenbelägen, Dach- und Wandplatten und Dämmstoffen von Rohren und auch in Spachtelmassen und Klebern. Etwa 70 Prozent des Asbests gelangten als Asbestzement in die Häuser.

"In Häusern, die zwischen 1960 und 1990 gebaut wurden, ist mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit Asbest zu finden", sagt Torsten Mußdorf, Geschäftsführer des Norddeutschen Asbestsanierungsverbandes (NAV). Das zeigt nun Folgen, denn wie viele Menschen bei der Verarbeitung Teile der freigesetzten Fasern eingeatmet haben, wird erst jetzt deutlich.

Asbest: Risiko noch nicht gebannt

Die Zahl der Erkrankten ist in den vergangenen Jahren gestiegen und wird nach Ansicht der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) weiter stark steigen. Die Erkrankungsrate wird ihren Höhepunkt voraussichtlich erst in den nächsten Jahren erreichen, lauten die Prognosen. Zwischen 1994 und 2012 starben über 4.000 Beschäftigte aus dem Baugewerbe an den Folgen von Asbest. Die Zahl der Menschen, bei denen der Verdacht auf eine Berufskrankheit durch Asbest gemeldet wurde, ist von rund 900 im Jahr 1994 auf 2.038 im Jahr 2012 gestiegen.

Zahlen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) aus dem Jahr 2014 zeigen, dass fast zwei Drittel aller Fälle, in denen jemand an einer Berufskrankheit starb, Asbest der Auslöser war. Im Jahr 2014 starben insgesamt 2.469 Menschen an den Folgen einer Berufskrankheit, 112 mehr als im Vorjahr.

Das Risiko ist noch nicht gebannt und besonders Beschäftigte im Bau- und Ausbauhandwerk haben bei Abbruch- Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten noch immer mit asbesthaltigen Materialien zu tun. Hier gilt es für ausreichenden Schutz durch möglichst staubfreies Arbeiten und Atemschutz zu sorgen, denn die Fasern dringen allein über die Atemluft in den Körper ein. Andere Schutzmaßnahmen wie Schutzkleidung und eine Abschottung von anderen Räumen sollen die Verschleppung von Asbestfasern in unbelastete Bereiche verhindern.

In der Praxis geschieht es allerdings immer wieder, dass Handwerker unvorbereitet auf asbesthaltige Materialen stoßen oder gar nicht wissen können, dass vorgefundener Baustaub, Dächer, Fassaden oder andere Gebäudeteile, die saniert oder abgerissen werden sollen, Asbest enthalten. Zudem wurde früher ursprünglich asbestfreien Produkten Asbest zugefügt, um bestimmte Eigenschaften zu erzielen, etwa eine bessere Verarbeitbarkeit.

Arbeitsschutz: Technische Regeln

Tipp: Die Regelungen des Arbeitsschutzes bei Tätigkeiten mit asbesthaltigen Materialien, welche die Ar­beitgeber betreffen, sind in der GefStoffV und den technischen Regeln TRGS 517 und TRGS 519 detailliert formuliert. Mehr dazu lesen Sie unter bgbau.de.

Das Grundproblem besteht laut BG BAU gegenwärtig nicht mehr in den rechtlichen Vorgaben zum Arbeitsschutz und der betreffen­denTechnik, sondern in den Randbedingungen der Auftragsvergabe. Bei Bauobjekten, bei denen entsprechende Verdachtsmomente vorliegen, sollten im Vorfeld stets Fachgutachter bzw. Fachunternehmen herangezogen werden, damit die zur Gefährdungsbeurteilung und Festlegung von Schutzmaßnahmen notwendigen Informationen bereits bei der Angebotsanfrage bzw. Ausschreibung den Unternehmen zur Verfügung stehen, rät die BG BAU.

Dazu würden auch Hinweise auf notwendige Maßnahmen des Arbeitsschutzes durch den Auftraggeber bzw. seines Planungsbüros oder Architekten gehören, damit die Kosten für die erhöhten Anforderungen sachgerecht berücksichtigt werden können. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten die gesetzlichen Rahmenbedingungen im Hinblick auf die Informationspflichten des Auftraggebers allerdings entsprechend angepasst werden.

Was können Betroffene tun?

Handwerker, die durch das Arbeiten mit asbesthaltigem Material erkrankt sind, sollten mit ihrem Arzt darüber reden, dass dieser den Verdacht auf eine Berufskrankheit durch den beruflichen Umgang mit Asbest dem zuständigen Unfallversicherungsträger (UVT) meldet.  Dann haben sie bessere Chancen, dass die Erkrankung als Berufskrankheit anerkannt wird und damit alle Leistungen vom zuständigen UVT – entweder der Berufsgenossenschaft, wenn der Betrieb des Arbeitgebers hier Mitglied ist oder der Unfallkasse – getragen werden.

Aktuell umfasst die rechtlich verbindliche Berufskrankheitenliste vier Berufskrankheiten (BK), deren Ursache die beruflich bedingte Einwirkung von Asbest (Exposition gegenüber Asbest) ist laut der BG BAU folgende Krankheiten:

  • BK 4103: Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose) oder durch Asbeststaub verur­sachte Erkrankungen der Pleura
  • BK 4104: Lungenkrebs oder Kehlkopfkrebs in Verbindung mit Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose), in Verbindung mit durch Asbeststaub verursachter Erkrankung der Pleura oder bei Nachweis der Einwirkung einer kumulativen Asbestfaserstaub-Dosis am Ar­beitsplatz von mindestens 25 Faserjahren {25 x 106 [(Fasern/m³) x Jahre]}
  • BK 4105: Durch Asbest verursachtes Mesotheliom des Rippenfells, des Bauchfells oder des Perikards
  • BK 4114: Lungenkrebs durch das Zusammenwirken von Asbestfaserstaub und polyzyk­lischen aromatischen Kohlenwasserstoffen bei Nachweis der Einwirkung ei­ner kumulativen Dosis, die einer Verursachungswahrscheinlichkeit von mindestens 50 Prozent nach der Anlage 2 (Fundstelle: BGBl. I 2009, S. 1274) entspricht.

Ob es sich um eine Berufskrankheit handelt oder ob andere Ursachen schuld an der Erkrankung sind, stellt in der Regel der behandelnde Arzt – entweder der Hausarzt, ein Lungenfacharzt oder ein Arbeitsmediziner im Rahmen einer medizinischen Vorsorgeuntersuchung – gemeinsam mit dem Unfallversicherungsträger fest. Bei einem Verdacht auf eine berufsbedingte Erkrankung wendet sich der Arzt laut BG BAU an den UVT. Die Versicherten brauchen also keine Anträge zu stellen und müssen keine Kosten befürchten.

Trotzdem kann es sein, dass zur Einstufung als Berufskrankheit mehrere Gutachten und Untersuchungen zu den Ursachen der Erkrankung nötig sind. Insbesondere die Häufigkeit und die Dauer, die mit asbestversetzten Materialien gearbeitet wurde, wird dabei überprüft und ob und welche Schutzmaßnahmen es gab.

Was, wenn die Berufskrankheit nicht anerkannt wird?

Probleme mit der Anerkennung einer Berufskrankheit kann es immer dann geben, wenn die Unfallversicherungsträger davon ausgehen, dass andere Faktoren mit in die Krankheitsgeschichte hineinspielen. So wird auch berücksichtigt, dass Lungenkrebs bei Männern die häufigste Krebstodesursache und insbesondere auch durch den privaten Rauchkonsum verursacht ist. Entschieden wird aber für den Einzelfall.

Nach Aussagen der BG BAU gibt es einige Fälle, in denen die festgestellte Asbestexposition eben nicht im beruflichen Umfeld liegt, sondern im privaten Bereich. Beispiele hierfür seien das Sägen und Verarbeiten von Eternitplatten für die Kleingartenlaube, der Austausch von Abflussrohren im Eigenheim und anderes. Die Ermittlungen seien im Baubereich wegen ständig wechselnder Arbeitsorte komplex.

Wenn die Erkrankung als Berufskrankheit anerkannt wird, trägt der UVT alle Kosten der ambulanten und stationären Heilbehandlung sowie die erforderliche Medikation. Grundsätzlich gilt dabei, dass die betroffene Person rehabilitiert und wieder fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden. Erst wenn die Erwerbsfä­higkeit eines Versicherten trotz aller Rehabilitationsmaßnahmen um wenigstens zwanzig Prozent gemindert ist, wird eine Versichertenrente gezahlt. Stirbt ein Versicherter wegen der Folgen einer anerkannten Berufskrankheit, so besteht für dessen Witwe und deren Kinder ein Anspruch auf Hinterbliebenenleistungen.

Diese Arbeitsbereiche im Handwerk sind von Asbest besonders betroffen

Nur Tätigkeiten im Zusammenhang mit Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten sowie ent­sprechende messtechnische Begleitung dürfen laut der rechtlichen Vorgaben mit Asbest durchgeführt werden (GefStoffV, Anhang II, Nr. 1):

  • Beschäftigte aus dem Abbruchgewerbe, treffen Asbest überall dort an, wo es früher bei der Her­stellung oder Instandhaltung eines Gebäudes sowie einer Anlage verbaut beziehungsweise ver­wendet worden ist. Da Asbest vor dem Abbruch zu entfernen ist (GefStoffV, Anhang I, 2.4.3, Ab­satz 7), müssen die Unternehmer dieses entweder selbst ausführen oder von anderen Fach­-Unterneh­men ausführen lassen.
  • Der Asbestsanierer soll laut dem ursprünglichen Sinn des Wortes nach der baurechtlichen "As­best-Richtlinie der Länder" durch Asbest belastete Bereiche wieder so herstellen, dass diese wie­der gefahrlos nutzbar werden. Das gilt für den gewerblichen und privaten Bereich. Daher behan­deln Sanierungsfachbetriebe entsprechende Stoffe und Mate­rialien gezielt und sollten wissen, wie mit Asbest umzugehen ist.
  • Das weite Spektrum der sogenannten Instandhaltungsarbeiten kann zu einem Problemfeld wer­den: Von der Instandhaltung von Heizungs-, Lüftungs- und alten Industrieanlagen, über ent­sprechende Arbeiten an Brandschutzeinrichtungen bis hin zur baulichen Instandhaltung bezie­hungsweise Renovierung. Oft wird für die betreffenden Arbeiten der Begriff "Sanierung" gebraucht: dieses entspricht weder der Definition aus der Asbestrichtlinie noch aus der Techni­schen Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 519, das führt häufig zu Missverständnissen. Bei solchen Tätigkeiten gehen die Beschäf­tigten mit asbesthaltigen Materialien um. Beispiele sind der Aus­tausch defekter Asbestzement-E­lemente an Fassaden oder Dächern, Bearbeiten von Wänden, die früher legal mithilfe asbesthal­tiger Spachtelmassen ge­glättet worden sind, Entfernen von asbest­haltigen Fußbodenbelägen, unter Umständen zusammen mit den Kle­bern.
All  diese Arbeiten müssen jedoch nicht zwangsläufig zur eine bedrohlichen Exposition gegenüber Asbestfasern und damit zu einer Gesundheitsgefährdung führen, wenn
  • den Unternehmen und ihren Beschäftigtenn bekannt ist, dass sie mit der Freisetzung von Asbestfasern rechnen müssen, und
  • die Tätigkeiten entsprechend den gesetzlichen Vorgaben mit der notwendigen Sachkunde ausgeführt werden.
Quelle: BG Bau

Sachkundenachweise für Arbeiten mit Asbest erneuern 

Wer mit asbestbelasteten Materialien arbeitet, muss dafür einen entsprechenden Sachkundenachweis haben. Dieser muss immer aktuell sein. Mit der Neufassung der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) im Sommer 2013 wurde die Gültigkeitsdauer der Sachkundenachweise für Arbeiten mit Asbest, die bis dahin unbefristet war, auf sechs Jahre begrenzt.

Sachkundenachweise, die vor dem 1. Juli 2010 erworben wurden, haben am 30. Juni 2016 ihre Gültigkeit verloren. Wurde noch während der Geltungsdauer ein behördlich anerkannter Fortbildungslehrgang besucht, so verlängert sich die Dauer um sechs Jahre. Ein abgelaufener Sachkundenachweis ist dagegen nicht reaktivierbar, d.h. es muss ein komplett neuer Lehrgang inklusive Prüfung absolviert werden. Diesen können Handwerker bei der zuständigen Handwerkskammer belegen.

TV-Tipp zum Thema: Das Erste hat am 15. August 2016 die Dokumentation "Asbest - die tödliche Faser" gezeigt. Sie steht nun in der Mediathek bereit und kann hier angesehen werden.>>>

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Kommentare

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Nagel

Asbest

Sehr geehrt Damen und Herren,
über das Bild zu Ihrem Artikel bin ich entsetzt. Es wäre sinnvoll sich vor Veröffentlichung, bei solchen Themen sich fachliche Unterstützung zu suchen. Mitarbeiter die keine Schutzanzüge tragen sind weder Fachleute noch sorgen sie sich um die Umwelt.
Mit freundlichen Grüßen
Achim Nagel
Dachdecker- und Spenglermeister