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Schmerzen durch körperliche Arbeit vermeiden Arbeiten ohne Rückenschmerzen

In Deutschland werden immer mehr Menschen an der Wirbelsäule operiert, obwohl das nicht immer medizinisch sinnvoll ist, warnen Krankenkassen. Wie Rückenschmerzen entstehen und wie Sie damit umgehen können.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Gesund und fit im Betrieb

Schwere Lasten heben, Bücken, einseitige Bewegungen, Zwangshaltungen, Vibrationen, Kälte und Feuchtigkeit: In vielen Handwerksberufen müssen Menschen ihren ganzen Körper für die Arbeit einsetzen. Wer dabei nicht von Anfang an auf rückenschonendes Arbeiten achtet, kann schon in jungen Jahren Rückenschmerzen bekommen.

Krank wegen Rückenschmerzen

Muskel- und Skeletterkrankungen führen die Liste der Krankheitstage in Deutschland an, Rückenprobleme sind zentral. Während Büroarbeiter vor allem durch langes Sitzen Probleme bekommen, liegen die Ursachen bei Handwerkern meist in schwerer oder einseitiger körperlicher Arbeit.

Auch wenn Rückenprobleme häufig scheinbar plötzlich auftreten, haben sie meist eine lange Vorgeschichte. Muskeln mögen Abwechslung. Um fit zu bleiben, müssen sie regelmäßig angespannt und wieder entspannt werden. Halten sie dagegen stundenlang die gleiche Position, wiederholen immer gleiche Bewegungen oder ist ein Körperteil passiv und schwach, während sein Gegenpart arbeiten muss, so entstehen muskuläre Dysbalancen. Bei diesem Ungleichgewicht verkrampft der überforderte Muskel. Er wird nicht mehr optimal versorgt und schmerzt.

Bandscheibenvorfall kommt nicht plötzlich

Ist der Rücken lange in Not, werden auch die Bandscheiben nicht mehr richtig versorgt. Die 23 Bandscheiben bilden eine Art Puffer zwischen den Wirbelkörpern. Sie haben einen gallertartigen Kern, der von einem Faserring umschlossen ist. Dieser Faserring kann durch Überforderung und natürliche Alterung porös werden. Folgt dann eine ungünstige Bewegung, beispielweise das Anheben einer schweren Last, kann er reißen. Der Inhalt des Gallerkerns dringt aus und drückt auf die Nerven im Wirbelkanal – die Bandscheibe ist vorgefallen.

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Starke, stechende Schmerzen im Rücken können auf einen Bandscheibenvorfall hindeuten. Wenn Arme oder Beine kribbeln oder sich taub anfühlen, kann das ebenfalls ein Warnsignal sein, sagt Reinhard Schneiderhan, Präsident der Deutschen Wirbelsäulenliga und Orthopäde in München. Gleiches gelte für Lähmungserscheinungen. In solchen Fällen solle man innerhalb von zwei bis drei Tagen zum Arzt gehen, rät Schneiderhan.

Außerdem gibt es Notfälle unter den Bandscheibenvorfällen: “Wenn Betroffene unkontrolliert Urin verlieren oder Stuhl nicht mehr halten können, muss innerhalb von sechs Stunden operiert werden“, sagt Prof. Bernd Kladny, stellvertretender Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). Auch bei erheblichen Lähmungserscheinungen, die mit einem erhöhten Sturzrisiko einhergehen, sei eine OP ratsam. “ Alle anderen Fälle kann man konservativ behandeln“, sagt Kladny. Das bedeutet für Patienten in der Regel, entzündungshemmende Medikamente und Schmerzmittel einzunehmen oder Spritzen und Infusionen zu bekommen. Außerdem sollen sie sich schonen, aber sich auch mit Hilfe der Physiotherapie wieder an normale Alltagsbewegungen gewöhnen und mehr Stabilität im Rumpfbereich aufbauen.

In vielen Fällen bessert sich ein Bandscheibenvorfall mit der konservativen Behandlung. Denn Schwellung und Entzündung schrumpfen mit der Zeit, so dass der Druck auf die Nerven geringer wird. Das klappt aber nicht immer: “Bei der Frage, wie lange konservativ behandelt wird, sollte man den Patienten einbeziehen“, sagt Kladny. Wer etwa schnell wieder arbeiten muss, bei dem könne man es unter Umständen 14 Tage intensiv mit der konservativen Methode versuchen und ihm dann die Entscheidung für oder gegen eine OP überlassen. Bevor sich ein Patient für eine OP entscheidet, sollte er aber immer eine zweite Meinung einholen und sich auch nicht drängen lassen.

Die Zahl der Eingriffe an der Wirbelsäule hat sich zwischen den Jahren 2006 und 2014 auf bundesweit gut 780.000 mehr als verdoppelt. Dabei sei bei weitem nicht jeder Eingriff nötig, informiert die Barmer GEK. Häufig folge auf eine Bandscheibenoperation innerhalb von ein bis zwei Jahren eine weitere Operation, bei der die Wirbel versteift würden. Die Zahl dieser Folgeeingriffe ist allein bei Patienten in dieser Versicherung seit dem Jahr 2006 um 137 Prozent auf 510 Fälle im Jahr 2013 gestiegen. "Nicht jede Operation ist medizinisch sinnvoll, mitunter bringt sie für die Betroffenen viel Leid mit sich. Wir raten den Patienten dringend, vor Operationen eine ärztliche Zweitmeinung einzuholen“, so die stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende der Barmer GEK, Ute Engelmann. Dieses Verfahren verändere die Patientenentscheidung deutlich: Rund die Hälfte der Betroffenen entschieden sich nach dem Einholen einer zweiten Meinung gegen eine OP.

Quelle: dpa,Barmer GEK

Ergodynamik bringt Bewegung in den Alltag

Damit es gar nicht erst so weit kommt, ist Bewegung im Alltag nötig. Deshalb lautet das Motto des diesjährigen Tages der Rückengesundheit auch "Ergodynamik - bringen Sie Ihren Alltag in Bewegung!". Das Wort Ergodynamik verbindet die Begriffe Ergonomie und Dynamik.

Ergonomie bedeutet nicht Schonung oder Entlastung des Muskel-Skelett-Systems, sondern regelmäßige, funktionsgerechte Belastung. Es geht also nicht darum, den Rücken dauerhaft abzustützen oder Bück- und Hebevorgänge grundsätzlich zu vermeiden. Es geht darum, die Anforderungen den Fähigkeiten des Rückens anzupassen.

Diese Fähigkeiten wachsen mit dem Trainingszustand der Muskulatur – und dafür braucht es Dynamik: Über den aktiven Wechsel von Körperhaltungen und Körperbewegungen, von Be- und Entlastung und durch das Vermeiden von Monotonie und Zwangshaltungen können auch Handwerker ihren Rücken schonen.

In der Präventionskampagne “Denk an mich. Dein Rücken“ haben unter anderem die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen zahlreiche Tipps für den Berufsalltag zusammengetragen. Die Kampagne ist zwar mittlerweile abgeschlossen, doch auf der Website können Unternehmer nachlesen, wie sie Gefährdungen im eigenen Unternehmen erkennen und Gegenmaßnahmen ergreifen können.

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