Kündigung: Tipps und Fallstricke -

Arbeitsrecht Abmahnung vom Chef: Wann die Kündigung droht

Eine Abmahnung ist die gelbe Karte im Betrieb. Wenn der Chef so ein Fehlverhalten kritisiert, dann kann die Kündigung kurz bevorstehen. Muss sie aber nicht. Wie Mitarbeiter eine Kündigung verhindern können.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Kündigung: Tipps und Fallstricke

Wenn ein Arbeitnehmer gegen seine beruflichen Pflichten verstößt, kann das eine Abmahnung zur Folge haben. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Sicherheitsvorschriften missachtet werden, der Mitarbeiter regelmäßig zu spät kommt oder Weisungen nicht befolgt. Doch nicht jeder Fehler im Job darf arbeitsrechtlich gesehen ein Grund für eine Abmahnung sein.

"Jede Form von persönlichem Fehlverhalten im Job kann abgemahnt werden", erläutert Alireza Khostevan, Rechtsberater bei der Arbeitnehmerkammer Bremen. Nicht schuldhafte, schlechte berufliche Leistungen seien dagegen kein Abmahnungsgrund. Nur weil ein Mitarbeiter bestimmte Unternehmensziele wie Umsatzzahlen nicht erreicht, kann ihm der Arbeitgeber noch keine Abmahnung schreiben.

Vorstufe der Kündigung

"Sie kann nur bei vertragswidrigem Verhalten ausgesprochen werden", bestätigt der Berliner Rechtsanwalt Philipp Kitzmann. Wer dagegen ständig krank ist, kann dafür nicht abgemahnt werden. Trotzdem gilt die Abmahnung von Seiten des Chefs meist als Vorwarnung, manchmal als Vorstufe der Kündigung.

Damit eine Abmahnung wirksam ist, muss sie einige formale und inhaltliche Anforderungen erfüllen.

  • Der Angestellte muss darin einerseits aufgefordert werden, das unerwünschte Verhalten abzustellen.
  • Aber er muss auch deutlich vor den arbeitsrechtlichen Konsequenzen gewarnt werden, falls sich das Verhalten wiederholt.
  • Zudem muss sich eine Abmahnung muss sich immer auf einen konkreten Vorfall beziehen.

Statt pauschal die Bummelei eines Mitarbeiters zu rügen, muss der Arbeitgeber genau schreiben, an welchem Tag der Abgemahnte mit welcher Verspätung auf Arbeit erschienen ist. Oft erfüllt eine Abmahnung nicht alle drei Kriterien und ist damit nicht gültig: "Wer eine Abmahnung bekommt, sollte diese immer zuerst vom Fachmann prüfen lassen", rät Khostevan.

Man kann die Abmahnung von einem Arbeitsgericht überprüfen lassen. Doch wer weiter in der Firma arbeiten möchte, sollte darauf besser verzichten. Ein Rechtsstreit belastet das zerrüttete Arbeitsverhältnis nur zusätzlich. Ohne Rechtsschutzversicherung könnte die Klage außerdem teuer werden. Meist lohnt es sich deshalb nur im Falle einer Kündigung.

Grundsätzlich gibt es keine Fristen, um gegen die Abmahnung vorzugehen. "Wenn eine Abmahnung in der Personalakte liegt, hat das erstmal keine Konsequenzen", sagt Kitzmann. Eine Abmahnung verjähre zwar nicht, aber sie verliert mit der Zeit ihre Wirkung. Wenn über einen längeren Zeitraum kein neues Fehlverhalten aufgetreten ist, erlischt die Warnfunktion.

Mythos: drei Abmahnungen bis zur Kündigung

Der weit verbreitete Mythos, dass es drei Abmahnungen bis zur Kündigung braucht, stimmt so nicht. Wenn ein gravierendes Fehlverhalten trotz Abmahnung nicht abgestellt wird, kann auch schon nach der ersten Wiederholung gekündigt werden. "Allerdings muss es sich um das gleiche Verhalten handeln, das bereits abgemahnt wurde", sagt Kitzmann.

Wer der Ansicht ist, eine Abmahnung sei falsch oder unbegründet, sollte als erstes das Gespräch mit dem Chef suchen. Hilft das nichts kann man auch eine Gegendarstellung schreiben.

Darin sollte deutlich werden, warum der konkrete Vorwurf falsch ist. Eine allgemeine Rechtfertigung des Fehlverhaltens hat in einer Gegendarstellung allerdings nichts verloren. Die Gegendarstellung muss wie die Abmahnung in die Personalakte genommen werden. Wann der Mitarbeiter seine Sicht der Dinge darlegt, ist unwichtig: Es gibt keine Frist. dpa/dhz

Mehr zum Thema
Hautnah und Live dabei

Liveblog: Deutscher Handwerkstag 2016 in Münster

Reporter der Deutschen Handwerks Zeitung berichten vom 8. bis 9. Dezember via Liveblog vom Deutschen Handwerkstag in Münster. Von der Wahl des ZDH-Präsidenten bis zum ZDH-Forum mit Angela Merkel – Bei uns verpassen Sie keinen Programmpunkt.
Hier geht´s zum Liveblog.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2016 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare

Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

* = Pflichtfelder. Bitte ausfüllen