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Früher in den Ruhestand Abfindung vor der Rente: Kostenfallen beachten

Wer eine Abfindung mehrere Jahre vor seiner Rente erhält, muss sich im Idealfall gar keinen neuen Job mehr suchen. Allerdings muss die gezahlte Summe hoch genug sein, um anfallende Kosten decken zu können.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Früher in die Rente

Eine Abfindung erhalten, statt bis zur Rente zu ackern – das klingt vielversprechend. Doch lohnt sich das für jeden? Eine pauschale Antwort darauf gibt es nicht. "Es gibt Fälle, in denen das unproblematisch ist. Allerdings gibt es auch Beispiele, in denen Arbeitnehmer durch eine Abfindung Verluste vor und nach Renteneintritt hinnehmen mussten", sagt der Frankfurter Rechtsanwalt Martin Schafhausen. Solche Probleme können vor allem dann auftreten, wenn der Arbeitnehmer mit der Abfindung noch mehrere Jahre bis zum Beginn der Altersrente überbrücken muss.

Denn die Auszahlung der Abfindung wirkt sich auf viele Bereiche aus und sollte deshalb in einer entsprechenden Höhe sein. Nur so können die anfallenden Fixkosten abgedeckt werden. Auf diese Kostenfallen sollte man achten.

Abfindung und Arbeitslosenversicherung: 

Hier sollten Arbeitnehmer an mögliche Risiken denken. Denn: kündigt der Arbeitgeber nicht von sich aus, kann dies zu einer Sperrfrist von zwölf Wochen führen, bis das Arbeitslosengeld ausgezahlt wird. Die Anspruchsdauer für das Arbeitslosengeld verringert sich dann um ein Viertel. "Wenn die Kündigungsfrist nicht eingehalten wird, dann wird zusätzlich ein Teil der Abfindung auf das Arbeitslosengeld angerechnet", sagt Schafhausen.

Abfindung und Krankenversicherung:

"Solange ich angestellt oder arbeitslos gemeldet bin, bin ich versichert", sagt der Rechtsanwalt. "Wer aber kein Arbeitslosengeld erhält, muss sich selbst versichern."
Das Problem: Der Beitrag kann dadurch höher ausfallen als vorher. Zudem hängen die Kosten bei einer sogenannten freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung auch von der Höhe der Abfindung ab. Muss der Arbeitnehmer sich nach Beendigung seines Beschäftigungsverhältnisses freiwillig weiterversichern, wird die Abfindung bei der Ermittlung der beitragspflichtigen Einnahmen berücksichtigt.

Es sei denn, der Betreffende ist über eine Familienversicherung abgesichert und erhält seine Abfindung als Einmalzahlung. Dann wird das Geld in der Regel nicht zum Gesamteinkommen gezählt und der Anspruch auf Mitversicherung bleibt grundsätzlich erhalten.

Abfindung und gesetzliche Rente: 

"Grundsätzlich können Arbeitnehmer mit 63 Jahren vorzeitig in Rente gehen. Aber nur, wenn man 35 Jahre lang eingezahlt hat", sagt Dr. Dirk von der Heide, Pressesprecher der Deutschen Rentenversicherung Bund. Dann muss man jedoch mit Abschlägen von bis zu 14,4 Prozent rechnen. Abschlagsfrei ist jedoch die Altersrente für besonders langjährig Versicherte, die 45 Jahre Beiträge in die Rentenversicherung eingezahlt haben. Diese gibt es für 1954 Geborene mit 63 Jahren und vier Monaten. Allerdings darf der Arbeitgeber die Abfindung kürzen, wenn der Angestellte vorzeitig in Rente geht.

Deshalb sollten Arbeitnehmer vorab kontrollieren, ob sie ihre Mindestversicherungszeit auch erreicht haben. Ist dies nicht der Fall, gibt es später einen deutlich geringeren Rentenanspruch und zudem kann die Abfindung niedriger sein. Wer hier Schwierigkeiten erwartet, kann freiwillig weiter in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. "Zwischen 84,15 Euro und 1.187,45 Euro pro Monat liegen die derzeitigen Sätze", sagt von der Heide. Wer ein Jahr lang den Mindestbeitrag zahlt, erhöht dadurch seine spätere Rente um etwa 4,43 Euro monatlich, beim Höchstbetrag sind es 62,54 Euro. Das Flexirentengesetz erweitert die Möglichkeit, solche Zahlungen an die Rentenversicherung zu erbringen. Steuerliche Vorteile können sich ergeben, wenn die Zahlung (auch) durch den Arbeitgeber erfolgt.

Abfindung und Steuern: 

Handelt es sich bei der Abfindung um eine Einmalzahlung, kann die "Fünftelregelung" angewendet und die Steuerlast dadurch reduziert werden. Aber nur, wenn der Arbeitnehmer durch die Abfindung in dem betreffenden Jahr mehr verdient hat, als er mit seinem Einkommen erzielt hätte. Diese Regel lohnt sich vor allem für Steuerzahler mit mittleren Einkommen, Großverdiener merken davon nichts.

So funktioniert die Fünftelregelung

Mit der Fünftelregelung werden außerordentliche Einkünfte begünstigt ( § 34 EStG). Diese Einkünfte nennt man im Steuerrecht  "tarifbegünstigte Einkünfte". Dabei  handelt es sich um Einkünfte, die über mehrere Jahre erwirtschaftet wurden, aber in einem einzelnen Jahr realisiert und besteuert werden, wie beispielsweise bei Abfindungen.
Ohne die Fünftelregel käme es zu einer außergewöhnlich hohen Steuerbelastung für den Arbeitnehmer, der die Abfindung erhält. Dies liegt daran, weil der Steuersatz aufgrund der Steuerprogression viel stärker ansteigen würde als bei einer Verteilung auf mehrere Jahre.
Ziel der Fünftelregelung ist es deshalb, hierfür einen Ausgleich zu schaffen: Zwar werden auch die außerordentlichen Einkünfte (Abfindung) voll besteuert, aber nur ein Fünftel davon wirkt sich auf den Steuersatz aus.

Vorsicht walten lassen miss man, wenn die Abfindung in mehreren Jahresraten gezahlt wird. Dies führt regelmäßig dazu, dass die Fünftelregelung nicht zur Anwendung kommt. Dies hat das Bundesministerium für Finanzen in einem Schreiben vom 4. März 2016 (IV C 4 - S 2290/07/10007 :031) festgeschrieben. Keine Steuervergünstigung wird auch dann gewährt, wenn das Arbeitsverhältnis durch eine Kündigung des Arbeitnehmers endet.

Ein Beispiel für die Fünftelregelung

Ein Arbeitnehmer verdient von Januar bis Juni 18.000 Euro brutto. Er erhält im Juni oder Juli eine Abfindung von 36.000 Euro und bezieht anschließend von Oktober bis Dezember 4.500 Euro Rente. Eigentlich würden in diesem Fall 15.237 Euro Einkommenssteuer fällig. Durch die Fünftelregelung sind es aber nur 10.111 Euro.

Bevor man sich also entschließt, deutlich vor dem Rentenalter aufzuhören und eine Abfindung des Arbeitgebers in Anspruch zu nehmen, sollten alle möglichen Unwägbarkeiten, mit der Hilfe von Experten, abgeklärt werden. Denn eine Abfindung vor der Rente ist nur sinnvoll, wenn sie sich auch lohnt. dhz/dpa

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Ralf B.

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