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Jubiläum eines Klassikers 50 Jahre Alfa Romeo Spider

Der Alfa Romeo Spider feiert seinen 50. Geburtstag. Zu einer Ikone wurde das zweisitzige Cabrio jedoch schon viel früher. Heute zählt die erste Baureihe des Spider mit dem charakteristischen Rundheck zu gesuchten Klassikern.

1966 präsentierte Alfa Romeo ein zweisitziges Cabriolet, den Spider. Das letzte Werk des Automobildesigners Battista "Pinin" Farina definierte das Open-Air-Vergnügen für Autofahrer völlig neu. Bereits Ende der 1960er Jahre wurde der Spider in den USA zum Inbegriff des "Graduate Car“. Des Autos also, das man von den wohlhabenden Eltern zum Hochschulabschluss geschenkt bekommt

Spider als letztes Werk von Battista "Pinin" Farina

Die Karosserieform des Alfa Romeo Spider stammt von Designerlegende Battista "Pinin" Farina. Sie war das letzte Werk des italienischen Designers. Farina starb kurz nach der Weltpremiere. Tatsächlich ging der Spider auf mehrere Studien zurück, die Farina bereits einige Jahre zuvor auf eigene Faust entworfen hatte. Schon in der Studie "Coupé Super Flow Disco Volante“ von 1956 tauchten erste Grundzüge des späteren Spider auf. Auch beim "Spider Super Sport" von 1959 waren bereits die flach auslaufenden Bug und Heck sowie die großen seitlichen Sicken zu erkennen. Deutlich kleiner und damit näher an der endgültigen Form war der auf dem Chassis einer Alfa Romeo Giulietta SS aufgebaute "Spider speciale 2 posti aerodinamico", den Farina auf dem Turiner Auto-Salon 1961 zeigte.  

Es dauerte allerdings noch bis zum 10. März 1966, bis der Alfa Romeo Spider auf dem Genfer Auto-Salon Weltpremiere feierte. Die Reaktionen waren gespalten. Die einen  lobten die geschwungenen  Formen.

50 Jahre Alfa Romeo Spider: Jubiläum eines Klassikers

Die Front ist extrem flach gehalten, weist aber dennoch die Alfa Romeo typischen Merkmale auf. Der Kühlergrill wird vom herzförmigen Scudetto gebildet, das links und rechts von geteilten Stoßstangen in Form der charakteristischen "baffi“ (Italienisch für Schnauzbärtchen) eingerahmt wird. Sie kaschieren geschickt zusätzliche Kühllufteinlässe. Die Form des Hecks ist beinahe eine Kopie der Front. Auch hinten läuft der Alfa Romeo Spider flach und im Halbkreis aus. Das Fachmagazin auto, motor & sport sprach schon damals vom "Sex der runden Form“.

Kritiker: Design zu verspielt

Genau war aber auch Anlass für Kritik. Das Design, das heute als "Rundheck“ jedem Alfa-Romeo-Fan ein Begriff ist, wurde als zu verspielt abgetan. Im Vergleich zum Vorgänger, dem ebenfalls von Farina gezeichneten und seit 1955 gebauten Alfa Romeo Giulietta Spider, erschien vielen die rundliche Form der Karosserie zu feminin. Die Arbeiter in der Produktion im neuen Werk Arese vergaben den Spitznamen "Osso di Sepia“. Zu Deutsch:  "Rückenschulp eines Tintenfisch“.

Anlaufschwierigkeiten teilweise hausgemacht

Diese Anlaufschwierigkeiten waren zumindest teilweise hausgemacht. Bei der Premiere im Frühjahr 1966 hatte der neue Roadster nämlich noch keinen offiziellen Namen. Auch ein zur Findung desselben veranstalteter Wettbewerb mit über 100.000 Einsendungen verlief alles andere als optimal. Zwar wurde aus rund 200 Vorschlägen die Bezeichnung Duetto ausgewählt. Allerdings hatte sich ein italienischer Süßwarenhersteller bereits genau diesen Namen für ein Gebäck gesichert. Alfa Romeo nannte das neue Auto deshalb schnell ausschließlich Spider, ergänzt um die Zahl 1600 für den Hubraum.

Bei der Markteinführung in Deutschland kostete der Spider 12.990 Mark. Fußmatten aus Kunststoff und Sitzbezüge aus Kunstleder sind cabriogerecht pflegeleicht. Teppichboden gibt’s nur auf dem Mitteltunnel. Auch das Lenkrad ist ursprünglich aus Kunststoff. Sein dünner Kranz gibt den Blick frei auf die zwei wichtigsten Instrumente – Drehzahlmesser und Tachometer. Mittig in die in Wagenfarbe lackierte Armaturentafel eingelassen und mit schmucken Chromrahmen verziert, sind Uhren für Tankinhalt, Öldruck und Kühlwassertemperatur. Der Kofferraum ist trotz seines flachen Volumens erstaunlich geräumig, notfalls dient der Platz hinter den beiden Sitzen als zusätzlicher Stauraum.

Mehr Hubraum für die USA

Während sich der Alfa Romeo Spider in Europa gut verkaufte, sorgte die unerwartete Nachfrage nach dem "Graduate Car“ in den USA für Probleme. Die in den 1960er Jahre einzige verfügbare 1600er Modellversion mit Doppelvergasern entsprach ab 1968 nicht mehr den erneut verschärften Abgasgesetzen im US-Bundesstaat Kalifornien.

Die Lösung: Der aus der Limousine Alfa Romeo 1750 stammende Vierzylinder Motor mit auf 1.779 Kubikzentimeter vergrößertem Hubraum. Für Amerika wurde das Triebwerk mit der mechanischen Spica-Einspritzung versehen, die zwar hochkompliziert in der Wartung ist, aber für ein gesetzeskonformes Abgasverhalten sorgte. Die Leistung lag mit 113 PS zwar nur geringfügig höher als beim Vorgänger mit 1,6 Liter Hubraum, aber dennoch klettert die Höchstgeschwindigkeit auf 188 km/h.

Holzlenkrad statt Kunststoff

Weil der 1750er Motor höher ist als der 1600er, musste zudem der Kühlwasserkreislauf auf ein geschlossenes System mit Ausgleichsbehälter umgestellt werden. Die für den Kühlwasserstand maßgebliche Einfüllöffnung lag nun tiefer als der Zylinderkopf. Ein höherer Kühler aber war unter der flachen Motorhaube nicht realisierbar.  An der Optik änderte sich wenig. Der Außenspiegel war nun auf der Tür und nicht mehr auf dem Kotflügel montiert. Zusätzliche Änderungen waren das Holzlenkrad und der Aschenbecher mit Schiebedeckel. Etwas später wanderten die dann runden Seitenblinker vor das Vorderrad. Darüber hinaus standen Reifen der größeren Dimension 165/14 und andere Radkappen dem 1750er besser zu Gesicht als die 155/15er des 1600er Modells.

Die Premiere des Alfa Romeo Spider 1750 fand im Januar 1968 auf der Motorshow in Brüssel statt. Gleichzeitig lief die Produktion der 1600er Version nach über 6.000 gebauten Exemplaren aus.

Die erste Baureihe wird komplett

Mit dem größeren Motor stieg der Preis des Alfa Romeo Spider in Deutschland auf 13.575 Mark. Damit war der Wunsch vieler junger Leute nach einem offenen Alfa Romeo nur noch schwer zu erfüllen. Immerhin war ein VW Käfer zu dieser Zeit für weniger als 6.000 Mark zu haben. Deshalb präsentierte die Mailänder Traditionsmarke schon 1968 den Alfa Romeo Spider 1300 Junior und rundete die erste Baureihe des Spider damit ab. Mit 89 PS erforderte der kurzhubig ausgelegte Vierzylinder hohe Drehzahlen, erst ab 4.000 Touren legte er sich richtig ins Zeug.

Mit einem Preis von 10.990 Mark war der Junior rund 2.500 Mark billiger als der Spider 1750 Veloce. Dies schlug sich jedoch in einer abgespeckten Ausstattung nieder. So fielen die Scheinwerfer-Abdeckungen aus Plexiglas ebenso dem Rotstift zum Opfer wie der Stabilisator an der Hinterachse und einige Chromelemente – und der Zigarettenanzünder. Außerdem wurde das Holz- durch ein Kunststoff-Lenkrad ersetzt.

Ende 1969 wurde der Alfa Romeo Spider (Baureihen 105 und 115) zum ersten Mal tiefgreifend überarbeitet. Auf dem Auto-Salon in Turin erlebte der Nachfolger seine Premiere. Markantester Unterschied: Der konventionell gestaltete Kofferraum –damit war der Rundheck-Spider bereits ab 1970 Geschichte. Heute allerdings gehören Alfa Romeo Spider aus den 1960er Jahren bei Fans von Klassikern zu den am meisten begehrten Spider-Versionen. dhz

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